Zweiter Gesang.
Zum Tempel wandern muß, ww unerlaubteGebräuche lüedcrzleh'n des Himmels Groll.Aufs heil'ge Bild am ungeweihten OrteSummt dann der Magier seine Lästerwortc.
Doch Morgens, bei des Tages erster Helle,Sieht, der den ungeweihten Ort bewacht.
Das Bild nicht mehr an seiner früher» Stelle.Er sucht ringsum, mit Muth und wohlbedacht;Dem König meldet er's in aller Schnelle,
In dem sich drob die grimmste Wuth entfacht;Er denkt sich, eine von den ChristenseelcnHat sich erfrecht, eS heimlich wcgzustehlen.
Sei's durch die Hand von einem frommen Diebe,Sei's durch des Himmels hohe Wunderkrast,Damit an dem verruchten Ort nicht bliebeDas Muttcrgottesbild in schnöder Haft; —
Man weiß nicht, wer's gcthan, ob Haß, ob Liebe,Ob's Mcnschenkunst, ob's Wunderkrast geschafft.Doch will ein frommer Sinn: bei solchem WerkeSei still der Mensch und preise Gottes Stärke.
Der König stört mit seinem ungeduld'gcnDurchforschen jede Kirche, jedes Haus.
Für den Verräther setzt er und den Schuld'gen,Belohnung jenem, diesem Strafe aus.
DeS Magiers Kunst muß nun der Forschung huld'ge».Doch bringt er, noch so fleißig, nichts heraus.
Der Himmel höhnt des Zaubers, fein gcjponnen.
Hat er das Werk, hat es ein Mensch ersonnen?