340
Peter Ochs von Basel, ein Mann Von Kenntnissen nnd Ge-schmack, mehr witzig als scharffinnig, hatte in seiner Vaterstadtmehrere Staatsämter bekleidet, und sich nnter seinen Mitbürgernvortheilhaften Ruf gegründet. Seit dem Ausbruche der fränkischenStaatsveränderung enthusiastischer Bewunderer derselben, vertrautmit den Gebrechen und Lücken der alten eidgenössischen Verfassung,wünschte er auch der Schweiz allgemeine Reform und Auflösungdes Bundeswesens in eine ungethcilte Republik. Daß er durchfränkischer Prokonsnlu Machtsprnch und Waffen in das Direktoriumerhoben wurde, wohin ihn die Stimme des Volkes nicht rief, er-regte den Groll des Landes gegen ihn, wider welchen er sich mitder Gunst Frankreichs waffnete. Sv ward er mehr Diener einesfremden Staates, als seines eigenen; die Feinde der Staatsver-ändcrnng wurden die scinigen; — ihre Unterdrückung nahm er fürHerstellung der Ruhe. Er wollte das Glück und die Freiheit derSchweiz; aber aus den Händen des Ehrgeizes empfing er die Mittel.
Lukas Legrand, sein Gemeindsgenoß, gebildeten Geistes,hastigen und rastlosen StrcbcuS, das Beste zu wirken, erwarbdurch sittliche Güte die Achtung derer, so ihm nahe waren. Erliebte sein Vaterland, wollte dessen Unabhängigkeit und beklagtefruchtlos dte Entartung der Revolution. Indem er Einfalt unddas Wohlwollen, so ihm eigen waren, in Andern suchte, entgingihm der Scharfblick des Menschenkenners, und dte kalte Verschlos-senheit des Staatsmannes. Seine Jdcalenwelt, allzuentfcrnt vonder gebrechlichen Wirklichkeit, machte seine Thätigkeit gewinnlosfür die letztere. Immer dem Vollkommensten nacheilend, erreichteer selten das Bessere unter dem Schlimmen.
Glahrc, von ruhiger Weisheit und reinem Herzen, erhabenüber die Stürme der Leidenschaften, aber auch ohne Gewalt, siezu lenken in Andern, würde vielleicht in Zetten allgemeiner Stilleder Republik mit Ruhm und Würde vorgestanden haben. Aber