Hollands Schicksal.
i.
Wen» dcr Holländer auf seinem Dache sitzt, sagt Raynal,und von weitem das Meer sieht, wie es achtzehn bis zwanzigSchuh über dem Boden seines Landes erhaben ist, wie cs brüllendgegen die Dämme stürzt, die er ihm entgegenbaute: sinnt er unddenkt bei sich, früher oder später wird jenes wilde UngeheuerMeister. Dann wird ihm seine unsichere Heimat verächtlich; seinHaus von Holz oder Stein in Amsterdam ist dann nicht mehr seinHaus. Das Schiff ist seine Zusincht, sein Vaterland; nach undnach wird er gleichgültiger, und seine Sitten nehmen das Geprägedieser Idee an. Ihm ist das Wasser, was andern Völkern dieNachbarschaft dcr Vulkane.
Wenn (fährt Raynal fort) zu diesen physischen Ursachen,welche die Vaterlandsliebe lähmen müssen, einst noch der Verlustder Freiheit kommen sollte: würden die Holländer nicht ein Landverlassen, welches nur durch freie Menschen blühend werden kann?Dies Kaufmannsvolk wird seinen Handel, sein Geld irgend anderswohin tragen. Jene Inseln Asiens, seine afrikanischen Comptoirs,seine Kolonien in der neuen Welt, alle Häfen Europens werdenihm Asyle öffnen — Und doch! steht man heutiges Tages die all-gemeine Erschlaffung, den Durst nach Reichthum, den alles ver-schlingenden Kaufmannsgeist, den immer gewaltiger» Hang zuLnrns und Bequemlichkeit, die fortschreitende Nachgiebigkeit fürErblichkeit der Oberherrschaft — was muß man erwarten? —