Die Nord- und Südstaaten Europerrs inpolitischer Hinsicht.
(Bruchstück.)
Die Völker des südlichen Europa'ö gaben von jeher den übrigenNationen das Schauspiel großer und gewaltsamer Umschwünge.Immerdar sah man sic zwischen empörender Knechtschaft und stolzerFreiheit schwanken, weder feig genug, jene, noch stark genug, diesezu behalten. Im alten Rom folgten auf die ruhmreichen Jahr-hunderte zwischen dem ersten und letzten Brutus, die schmach-vollen Zeiten des Untergangs zwischen dem ersten und letzten Au-gustus oder Augustulns. Die Freistaaten des italienischen Mit-telalters, der Glanz von Venedig, Florenz und Genua gingeneiner neuen Knechtschaft nach und vor. Das mittelalterische Spa-nien genoß hoher Freiheiten, vor deren Wiedcrerscheincn das neun-zehnte Jahrhundert erschrak. Selbst Frankreich erfreute sich vorAlters großer Rechtsame, deren es in spätem Tagen vergaß. Ver-dorbene Völker wollen lieber freche und freie Lebensweise,als freie Verfassung.
Die Volker des nördlichen Europas, gemäßigter und ernster,haben fast allezeit angestammten Königen gehorcht, und unter den-selben weder Willkür zügelloser Gewaltherrschaft ertragen können,noch zügellose Freiheit aufnehmcn wollen. Selbst England, alscs seine weiland edle Verfassung ansbildete, mochte diese nichtZsch. Ges. Schr. 33. Thl. 1