3l2
Diese Stimmung hatte der große Haufen, während die Ein-fichtsvollern aller Gemeinden, vereinzelt unter der stürmischenMenge, den Leidenschaften nichts, als Vernnnstgründe entgegenzu stellen hatten.
Die Mehrheit der Gemeinden verwarf, wie man voraussehenkonnte, in den Landsgemeinden vom 89. Juli die angetragcne Ver-einigung, oder verschob die Entscheidung; die Minderheit hingegenbegehrte, mit der helvetischen Republik Unterhandlungen zubeginnen.*)
Der Sieg der Anhänger Oesterreichs und des Adels war ent-scheidend. Von jetzt an verlor der landtägliche Ausschuß, mildemöffentlichen Zutrauen, den Glauben an stch selbst. Seine Maß-regeln trugen den Stempel der Furcht. Ihn deckte nur noch dasAnsehen des französischen Ministers, welcher keine andere Negie-rung anerkannte.
Die stegende Partei verschleierte ihre fernern Entwürfe undbegnügte stch, das Volk einsweilen in Erbitterung zu erhalten.Man ehrte die Ausgelassenheiten des Pöbels als gerechten Un-willen freier Männer gegen Verräther des Vaterlandes. Wederdie Gesetze, noch die schwache Regierung des Landes, noch Guiotsdrohende Noten, konnten Beleidigungen abwehren, welche überallden Patrioten geschahen. Diese sahen sich in die Zeiten des Faust-rechts oder rohen Naturstandes zurückgestellt. Jeder suchte stch zuschütze», so gut er's vermochte. Der Verfolgungsgeist lösete dieletzten Bande der Ordnung.
Zu denjenigen Gemeinden aber, welche für die Vereinigunggestimmt hatten, gehörten auch Maienfeld und Malans, welcheder Rhein vom Lande' Sargans scheidet. Diese beharrten um so
*) Von 63 Stimmen waren aus sänuntlichen Hochgerichten 34 gegendie Bereinigung, 16 aufschiebend, und 11, die Unterhandlung wollten.