311
Helvetien vereinen wolle? — Guiots Noten, welche diesen Gegen-stand berührte», wurden nachdrücklicher, während sich der kaiser-liche Resident Baron vonKronthal in feierliches Schweigen ver-hüllte.
Der Abschen des Volks gegen die französische Nation, veran-laßt durch die Gräuel der Revolution, durch die Mißhandlungender italienischen Staaten und HelvetienS, genährt durch Edellenteund Priester, ward nun von neuem und stärker denn jemals auf-gerührt. — Fast in allen Gemeinden hatten die reichen Geschlechterdes Hauses Salis ihre Schuldner, Klienten und Diener, und ebenso viele Eiferer gegen die Vereinigung mit Helvetien. Mau zeigteans die Schweiz, wie ihre Staatskassen von den Franzosen ge-plündert, ihre Arsenäle entführt, ihre Dorfschaften durch fremdeKriegsknechte beschwert waren. Noch nicht mit Wahrheiten zu-frieden, erfand man unsinnige Mährchen, welche das Herz desleichtgläubigen Landmanns erschüttern mußten. Man ließ erkennen,daß das neue Frankreich nicht nur alle irdische Habe und Lust, son-dern auch die ewigen Güter bedräue, daß in der Schweiz allerGottesdienst eingestellt, und die Taufe der Kinder aufgehobenwürde. Priester, besonders der katholischen Kirche, verwandeltenihre Kanzeln in bürgerliche Rednerbühnen, und sachten mit allenKünsten geistlicher Kriegsführung jene Gluth frommer Rasereiwieder an, welche seit einem Jahrhundert erloschen war. DieFurcht vor dem Unwillen Frankreichs mußten herumgebotene münd-liche Aeußerungen des kaiserlichen Geschäftsträgers') und die Näheösterreichischer Schaaren an den Grenzen schwächen.
') Der Herr von Kronthal hatte nämlich erklärt: daß Se. Majestätbei Neuerungen in Bunden, die der guten Ordnung und seinen Erb-landen gefährlich wären, nicht gleichgültig bleiben, »nd nochweniger deren gewaltsame Einführung erlauben würde.