Da wo der Strom des Hinterrheins aus dem lachenden To-miliaska durch eine finstere Gebirgöenge hervorbricht, ruht anseinem Ufer auf Sandsteinfelsen, im Schatten ungeheurer Wald-berge, das alte Schloß Rhäzüns. — Die Geschichte dieser Burgverliert sich in das Zeitalter des Fanstrechts und der abenteuernde»Ritterwelt. Aber zu der Zeit, da der graue Bund seine Freiheitgründete, und unter der Linde von Trons sie feierlich beschwor —es war im Jahre 1424 — galten die Freiherrn von Rhäzüns alsMächtige im Lande, und als Mitstifter des freien Bundes. Vondaher stammten die Vorrechte von Rhäzüns in der Staatsverfassungdieses Theiles der rhätischen Republik.
Die Herrschaft, im Besitz nicht unbeträchtlicher Güter undZehnden, wechselte im Lauf einiger Jahrhunderte seine Besitzeroft, bis sie durch Tausch oder Kauf an das Haus Oesterreich kam,am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts. Sie verblieb dem Erz-hause, bis zu unfern Zeiten. Ein Verwalter übte !m Namen desKaisers die herrschaftlichen Rechte und bezog die Einkünfte für ihn.*)
Der Freiherr von Rhäzüns hatte auf den Bundestagen desgrauen Bundes Sitz und Stimme. Schon dieses Recht bereitetedem Hause Oesterreich Einfluß auf die Angelegenheiten Rhätieus.Er war außerdem immer einer von den fünfzehn Gliedern des höch-ste» Tribunals oder Appellations-Gerichts besagten Bundes, und
') Ein sachkundiger Man» behauptet, der Kaiser beziehe, nach Abzugaller Auslagen, keine 300 Dukaten davon. Man schätzt die Gütersammt Gebäuden, Zehnden, Zinsen n. s. f. auf etwa 60,000 Gulocn.Kaiser Joseph wollte Rhäzüns verkaufen, wollte viel darauf ge-winne», forderte 100,000 Wiener Gulden, fand aber keinen Ab-nehmer um diesen Preis.