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33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
Entstehung
Seite
286
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größer ward in Bünden Uneinigkeit nnd Anstrengung beider Par-teien. Mißtrauen lauerte in allen Mienen. Man wog die Worte,sie mochten gegeben oder empfangen werden. Zwischen Brüdertrat Kälte; Väter nnd Söhne sahen sich mit Argwohn.

Dies hielt mich nicht ab, mit den geistvollsten Männern beiderParteien in freundschaftlichen Verhältnissen zu leben. Wir be-suchte» uns gegenseitig. Die feinere Erziehung, das zärtere Ge-fühl für Schönheit in Kunst nnd Natur, die Anmuth »nd Gewandt-heit im Umgänge der einen zog mich a» sie; die edeln Grundsätzennd der Helle Geist vieler Männer der patriotischen Partei machtemir die vertrauliche Verbindung mit der andern süß.

Wie oft mahnte ich zur Versöhnung! — Die Wahrheit nnddas Glück des Vaterlandes lag zwischen beiden.

An der Spitze der Parteien standen scheinbar, mehr durch ihre»Rang, als durch ihr Talent, der kaiserliche Resident Baron vonKronthal nnd der französische Geschäftsträger P. I. R. Cv-mchras. Beide sahen sich nie; jener wohnte in Chur, dieser ineinem Seitenflügel des Schlosses von Reichenau. Schon dieserUmstand verursachte, daß ich den letzter» näher kennen lernte,während ich den erster» nur selten besuchte, oder von ihm besuchtward. Dennoch mußte ich den Baron von Kronthal, als Mensch,wegen seiner deutschen Gradheit höher schätzen, als den franzö-sische» Residenten.

Comehras war ein Mann von Kenntnissen und Geist, inSchrift nnd Rede gewandt; es scheint nur von ihm abgehangen znhaben, de» Mehrthcil Graubündens an Frankreichs Interessen undWünsche zu binden. Die Angesehensten des Landes umringten ihn.Ihr Einfluß, ihre Einsichten standen zu seinem Gebot. Er aber,düster, wunderlich, verschlossen, floh den Umgang. Bünden schienseinem Ehrgeiz zu enge, seiner Habsucht zu arm. Er sehnte sich»ach einer höher» Stufe, i» ergiebiger» Gelände». Italien, damals