256
wieder heim, flohen unzählige in die wildesten Berge, vcrheirathe-te» sich andere, um dem Soldatcndienste zu entgehen. Ja, imUnter-Jnnthale und Vinschgan erröthcten die jungen Bauern nicht,ihre Haud mit Diebstählen zu beflecken, weil sie eine mehrjährigeZuchthausstrafe der langen militärischen Sklaverei vorzogcn. Erstals Joseph II. mit dem Pardon zugleich die Versicherung gab,daß ihrer keiner wider seinen Willen zum Soldatenstande gezwun-gen werden sollte, kehrten die Geflüchteten heim.
Wenn Graubünden ohne Fabriken ist, dürfte dies etwa noch z»keinem harten Schluß gegen die Staatsökonomic des Landes be-rechtigen. Wichtiger aber ist die Bemerkung, daß Bünden selbstder nothweudigsten Handwerker entbehrt. Savoharden, Thro-ler »nd Deutsche ziehen für die ersten Bedürfnisse beträchtlicheGeldsnmmen ans dem Lande. Baumeister, Wafferbaukünstler,Feldmesser, Zimmerleute, Maurer, Färber, Schmiede, Töpfer,Schreiner, Drechsler, Gold- und Silberarbeiter u. s. w., ja so-gar Schneider »nd Schuster sind meistens Ausländer, die ihreMaare oder Kunsttalente eine Zeit lang zu Markte bringen unddann sich wieder entfernen.
Wenn die bisherigen Tabellen der Aus - und Einfuhrartikelrichtig waren, so würden die Bündner, wenn sic selbst Professionentreiben lernten, jährlich eine Summe von wenigstens zwei- bisdreimalhundcrttausend Gulden ersparen. Es ist vergebens, dieseröffentlichen Trägheit Schutzreden zu halten und eines Volkes seligeUnwissenheit zu rühmen, welches längst den Namen eines polizir-ten Staates trug, ohne Willen und Kraft, in den Rang seinergebildeter» Nachbarn einzutreten.
Rohe Stoffe werden in Menge ausgeführt, statt einen Theilderselben im Lande zu verarbeiten. Es fehlt zum Beispiel nicht