Druckschrift 
33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
Entstehung
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

255

darum am Wertste einbüßen? — Jst'Tugend in den Städten derSchweiz minder heimatlich, als in den Gemeinden der Hochge-birge? Wenn um der Sittlichkeit willeii die Dörfer nicht denTon und Wandel der Städte führen sollen, wie kömmt's, daß nochkeine Stadt sich entschloß, Ton und Wandel »nd gepriesene Sit-tcneinfalt der Dörfer bei sich einzuführcn? — Noch gelten Treueund Redlichkeit in den Manufakturdörfern, wie in den Städten:noch ist dort, und an vielen Orten mehr denn ehemals, Familien-wohlstand heimisch. Durchwandert in Bünden das Engadin, inHelvctien die Gewerb und Handel treibenden Kantone, sie werdeneuch unzweideutiges Zcugniß geben, eure Furcht löschen, und dieheuchlerische Frömmigkeit entlarven.

Man wirft den Manufakturisten Entnervung, Weichlichkeit undMangel des alten SchweizermutheS vor; — aber diesen Vorwurfzeugte, wie jeden andern, die Uncrfährenheit. Die Tyrolcr, wiedie Zürcher Landleute, Manufakturisten, bewiesen, wo sie imKampfe standen, den alten, angestammten Heldcnfinn ihrer Väter,und machten den Franken den Ruhm persönlicher Tapferkeit streitig.Bei den Schweizern soll man nicht fragen, wer von ihnen streitet?sondern: wofür streiten sie? um ihren kriegerischen Mnth zu be-nrtheilen.

Daher kämpften mit altschweizerischer Kraft im Revolutions-kriege Züricher und Lemaner an der Seite der Franken, wäh-rend kriegsscheu die Söhne der Wald- und Bergkantone zurückzo-gen. Daher waren die letztem der schönsten Tage ihrer Väterwürdig, als sie gegen Schauenburgs Uebermacht das Erbe ihrerVorwelt vertheidigten. — Die Schweizer, Manufaktur- und Hir-tenvölker, fürchten nicht Gefahr der Schlacht, aber Untcrthänig-keit und sklavische Soldatenzncht.

Als im Jahre 1770 Kaiser Joseph II. im Tyrol die waffen-fähige Mannschaft zählen ließ, kehrten die Ausgewanderten nicht