sei. Indem er hier jede Gemeinde mit SclbstherrlichkeitSrcchtc»ausstattete, löste er sic von ihren Nachbarschaften nnd vom ge-meinsamen Staatszweck ab. Indem er jede» Bürger fast zum Un-abhängige» erhob, zerschnitt er die Bande des gesellschaftlichenVereins und führte die Menschen zu jener traurigen Unbehilflich-keit zurück, worin sie, jeder seiner eigenen Kraft überlasse», imStande der Wildheit leben.
Wenn daher Granbünden, seit Jahrhunderten vom Genius derFreiheit angelächelt, nichts weniger, als in blühendem Zustandewar, wen» seine mannigfaltigen Hilfsquellen weder gehörig an-erkannt, noch von einer weisen Verwaltung benutzt wurden, wäh-rend in einem eben so gcbirgigtcn Nachbarlande, dem Tyrol,unter monarchischer Negierung Industrie die kahlen Felsen frucht-bar machte: darf es uns nicht wunderbar dünken.
Ich fühle mich fast versucht, eine Vergleichung Bündens mitdem Tyrol, welche beide Länder viele Aehnlichkeitc» unter einanderhaben, anzustclle». Doch so merkwürdig dieselbe aus mehrcrn Ge-sichtspunkten sein würde, gebietet mir mein Zweck, ihr zu entsagen.Aber einzelne Thcilc sei cs mir erlaubt, daraus zu heben, weileben diese ein helleres Licht über nachfolgende Erzählungen wer-fen dürften.
Das Tyrol begünstigt wegen rauhen Bodens »nd Klima's denAckerbau nicht. Nur des Einwohners angestrengtester Fleiß zwingtin engen Thälern dem kargen Erdreiche Früchte ab. — Gärtenund Aecker liegen oft auf so jähen Berghängen, daß weder Viehnoch Pstug sie berühren kann. Mit den Händen wird der harteBoden umgeworfcn, und der Dünger ans des Landmanns Schulternhingeführt. — Landstriche, von Sand vcrschlemmt und Steinenhoch überdeckt, werden wieder urbar, indem der Bcrgschntt abge-