lebens. Unwissenheit nnd Einfalt des kindlichen Alters, gepaartmit der Macht roher Triebe reiferer Jahre, bilden seinen Charakter,unter der Leitung stummer Gewohnheit. Wie im Lebenslauf deseinzelnen Sterblichen jede Stufenzeit, hat in der Geschichte derNationen jeder Bildungsgrad eigenthnmliche Reize, eigenthümlicheGebrechen. Das Kind, ohne des Mannes Laster, besitzt auch nichtdessen Tugend. Der Greis entbehrt der Jünglinge Leidenschaft,aber auch ihren empfänglichen Sinn für das Schone nnd ihrenMnth für das Gute.
Enthaltsam im Ruhme und Tadel der verglichenen Nationennnd Zeiten, sollen wir eingedenk bleiben der ewigen Gesetze derNatur, nach welchen sie Menschengeschlechter und Blumen reifenläßt. Die unbezwingliche Nothwendigkeit ist's, welche mit demStachel »»ruhiger Triebe uns auf den Straßen zur Vollendungtreibt. Der rohe Naturmensch, waffenlos und nackt, fühlt den Reizweniger, doch mächtiger Bedürfnisse. Et stillt dies lante Fordern,nnd weckt mit der Stillung sich neue Gelüste. Sie zu befriedige»,finnt er neuen Mitteln nach. In der Erweiterung der Kenntnisseentfalten sich unbemerkt die Knospen tausend unbekannter Wünsche.Aus dem Grabe eines vergessenen Bedürfnisses keimen wucherndviele andere auf. So entwickeln sich alle Anlagen der Menschennm einander. Kein Gesetz kann Rückgang, keines Stillstand er-zwingen. Des Priester-Vorurtheiles Winseln kann die Ansbildungder Nation nicht hemmen, der Guillotine Schrecken sie nicht be-flügeln .
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Nirgends vielleicht, als im Lande der Graubündner, stand derFöderalismus in wilderer Größe; nirgends aber gab er den zweifel-loser» Beweis, wie verderblich sein Geist der Menschcnveredlung