Druckschrift 
33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
Entstehung
Seite
241
Einzelbild herunterladen
 

241

ein bedeutendes Verdienst. Man erkennt die Kampflustigen baldan ihrem Fingerring, der einen so großen Glasstein in sich schließt,daß er, unterm Nachdruck geballter Faust, leicht ein Gehirn cin-schlägt. Auch bei den Tyrolcrn sind diese Schlagringe nichtunbekannt. Die dasigcn Nanfbolre zeichnen sich aber mehr als diebündnischen aus. Sie treiben, unter dem Namen der Nobler,ihre Balgereien gewissermaßen methodisch; Hahnenfedern an ihrenrunden Hüten bezeichnen ihr Gewerbe.

Es ist ein kraftloser Behelf, die Berg- und Hirtenvölker durchSchriften und Schulen zu veredeln. Nur Vermehrung derMen scheu zahl durch Vermannigfaltigung der Erwerbszweigeistdas natürliche Mittel, durch welches unter einer weisen Gesetz-gebung ein Volk ans seiner Verwilderung gezogen werden mag.

In Bünden selbst gibt das Engadin ein auffallendes Beispiel.So hoch, so wild auch die Gebirge sind, die das auf dem Berg-rücken liegende rauhe Thal umgeben, so karg die Natur, so armder Boden hier sein mag, blieb den Bewohnern nichts unüber-windlich. Aber nicht Bichzucht allein ist's, was sie nährt, sondernmancherlei Gewerbe und Handel. Als Zuckerbäcker, Destillateurs,Spezerei- nnd Seidcnhändlcr n. s. f. legen sie in allen Gegendendes Wclttheils ihre kaufmännischen Niederlassungen an. Es gabeine Zeit, da man nur allein im Venezianischen gegen tausendhandelnde Engadincr fand.

Mit dem Erwerb aus der Fremde wird die Heimat bereichert.Der rastlose Gewerbssieiß that Wunder. Fast keine Schweizerland-schaft, außer Locke und La Chaur-de-Fonds, kann mit dem Engadinin Rücksicht der nnwirthbaren Höhe und zugleich des ans derselbenerschaffenen Wohlstandes verglichen werden. Bequeme Wohnungenund Prachtgcbäude verschönerten die Wildniß und verdrängten dieärmlichen Hütten der Vorwelt. Die Dörfer gewannen städtischesAnsehen. Wohluntcrhaltene Straßen ziehen über Hügel und Wald-Zsch. Ges. Schr. S3. Thl. 11