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33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
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wenige Beschäftigung, was der Kultur des GebirgSmenschen ammeisten entgegenwirkt. Reisende haben dieselben Bemerkungen voneinigen Schweizer-Gegenden und vom Tyrol gemacht.

In einem Lande, worin Viehzucht getrieben wird, kann nureine geringe Zahl von Einwohnern Nahrung und Arbeit finden,während die Hcerden eines weiten Landstrichs bedürfen. Die Men-schen vereinzeln sich also in demselben, und die Folge der Jso-lirung find Entbehrung des geselligen Umgangs, verschiedenartigenJdeentausches, mannigfaltigerer Erfahrungen. Das Hirtenlebenselbst gibt keine anhaltende Beschäftigung und gewöhnt zum Müßig-gang. Indem nun der Hirt mit der Welt wenige Berührungs-punkte kennt, hat er auch nur für den geringsten Theil derselbenReizbarkeit und Sinn.

Es ist wahr, daß beim Mangel des gesellschaftlichen Umgangsdie Sitten der Gebirgsbewohner einfach bleiben. Man kennt dortkeine feinen Umtriebe, keine Heuchelei, keinen Lurus mit seinenGiften. Man ehrt das Recht des Andern, erröthet vor der Lüge,nennt den Schelm bei seinem Namen. Man hat es noch nicht zurscheußlichen Schamlosigkeit getrieben, mit Lastern zu prangen, undHerzensgüte für Verstandesschwäche zu halten. Allein diese Tugen-den sind keine Kinder der Ueberzeugnng, sondern der Gewohnheit.Man hat Sitte ohne Sittlichkeit. Die Hirten Geßners nnvTheokrits und der rührende Zauber patriarchalischer Einfaltwohnen nicht in unserer Wirklichkeit. Neben den Tugenden derungekünstelten Naturmenschen liegen auch alle seine Fehler. Er ist"hart und roh. Ohne Sinn für zartere Freuden, wartet sein dasVergnügen nur in wilden Taumeln, oder im träumenden Nichts-thun. Der Wein und ein Räuschchen, welches selten ohne Bal-gerei der Freunde endet, so selten es ihnen auch wird, gehörenzu den Lieblingen der Berger. Selbstrache und Schlägerruhm wer-den nicht für so schändlich gehalten; körperliche Stärke gilt als