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Dieser Mangel nützlicher Mannigfalltigkeit und Biegsamkeitder Vorstellungen, dieses Genügen an dem, was ist, sonder Gelüstnach dem unbekanten Bessern, erstarrt den Geist, unterhält einegewisse Trägheit des Gemüths, welche endlich jenen dumpfen Zu-stand zum Natürlichen macht, wo, bei stockender Thätigkeit allerSeelenvermögen, die Gedanken aussterben, wie im Uebergangevom Wachen zum Schlaf. — Man hat häufige Gelegenheit, dieswahrzunehmen, an dem öden Vorfichhinstiercu der Augen, an demAuffahren und Gaffen des Angcrufenen, der sich lange von derZerstreuung nicht sammeln, oder besser, lange nicht Stärke genuggewinnen kann, eine Gedankette festzuhalten. Zuweilen sah ich,besonders am geschäftslosen Sonntage, in ihren Feierkleidern einenHaufen junger Bursche, an die wärmende Sonne hingepfianzt,viertelstundenlang ohne alle Unterredung, träg ins Leere Hinstar-ren, oder einem Vorübergehenden nachgaffen, und träumen. Ihreäußern Bewegungen find ohne Bedeutung und Anmnth, ihre Tänzeschwerfällig und, statt des Lebhaften, wild; ihre Gesänge eintönigund gedehnt. Die Mädchen singen zur Unterhaltung eben so gerneinen Davidischcn Psalm, als ein Lied der Liebe.
Das rauhe Klima des Hochlandes muß nicht als Urheber dieserUnvollkommenheiten angeklagt werden. Am Gotthard beherbergtdas wilde Bergthal von Urseren ein reges, thätiges, freundlichesVölkchen von aufgewecktem Geist. Eben so das hohe Thal Enga-din. Die unfruchtbarsten Höhen des Jura in der Grafschaft Neu-chatel, die Thäler von Locke und Chaur-de-Fonds zeugenbekanntlich die seltensten Künstler, und Geister von eben so großenTalenten, als großer Regsamkeit. Der Spruch mannigfaltiger Er-fahrung weiset aus, daß der reinere Himmel, der die Berghöhenumgibt, die Entwickelung des menschlichen Geistes weder besondershindert, noch begünstigt. Das Talent gedeiht auf jedem Bode».
Es ist das Einsamleben (Mangel an Bevölkerung) und allzu-