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33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
Entstehung
Seite
238
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such des entlegenen Nachbars fordert eine Reise über Berge undThäler. Die Speise, derb und schwerverdaulich, ist einfach undohne Mannigfaltigkeit. Der Bergbewohner unterscheidet sich daherdurch seine Gestalt. Seine Muskeln sind stark und fest, seineSchritte schwer und sicher. Braun von Farbe, hager von Antlitz,breit von Schultern und Brust, zeigt sein ganzes Wesen das in-wohnende Gefühl von Stärke und jenen pochenden Trotz, dem vorkeiner Gefahr bangt, der mit den Schrecken der Natur spielt, ausden freundschaftlichsten Unterhaltungen leuchtet, selbst durch Weinund Freude nie erlöscht, sondern nur in Spottlust verwandeltwerden kann.

Wie die Männer, so die Weiber. Durch schwere Arbeiten undden Ungestüm der sie umringenden Natur abgehärtet, scheinen sieihres Geschlechtes eigenthümliche Vortheile kaum zu kennen, desMannes Wildheit zu zähmen. Miene und Anstand tragen einegewisse Keckheit, welche den Mädchen in Jahren der Blüthe nichtübel steht, aber betagten Matronen zuweilen furchtbares Ansehengibt. Thätiger ist überall im häuslichen Kreise das Weib, amWebstuhl und Spinnwirbel, in Stall und Garten. Der Mann,nach Besorgung des Viehes, pflegt herrisch der Ruhe im behag-lichen Nichtsthun, oder beim Spiel und Wein des Winters, bisder Schnee einsinkt und die Heerden zu den Berghalden eilen.

Die Einförmigkeit der Lebensart gibt dem Gemüth eine durchalle Alter dauernde Eintönigkeit. Die dürftige Gegenwart mußüberall den Maßstab zu dem bieten, was außer dem engen Hori-zont der Hirtenerfahrung ruht. Die Weisheit des Mannes wirdnach den Jahren desselben gezählt. In den Gebirgen findet mandaher noch besondere Ehrfurcht vor tugendhaften Greisen. Aberdie Vorurtheile der Vorwelt ziehen ungestört auf die Nachwelt,und die Kinder nehmen der Väter Sitte, Brauch und Einrichtung,als heiligen Theil des Erbes, so ihnen hinterlassen wird.