Druckschrift 
33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
Entstehung
Seite
236
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Bündner selbst treiben mir selten die gefahrvolle Jagd. Stattihrer schwärmen fremde Kerls, meistens Tyroler, oder Ausreißer,oder entschlüpfte Verbrecher, zwischen den Klippen. Obwohl dasGesetz sie verfolgt und die außer dem Wege bewaffneten Wilddiedevogelfrei sind, schweifen sie doch furchtlos umher. Gleichgültigkeit,Religiosität, Aberglaube des Bündners, welcher den Tproler Wild-schütz für kugelfest, oder gar mit dem Teufel verbündet hielt, nah-men sie in Schirm.

Doch nur kurze Zeit find die höchsten Regionen unsers Welt-theils von Hirten und Jägern besucht Der frühe Winter erscheint.Alle flüchten in die Niederungen mit ihren Heerden und Hunden.Ein zeitiger Schnee wälzt sich über die sterbenden Alpen. DieQuellen erstarren. Die Seen werden Eisplatten; die WasserfälleKristallsäulen. Adler und Geier schweben tiefer. Selbst der scheueBerghaas, der Bewohner der höchsten Reviere, der nie eines Ob-dachs bedarf, steigt zu den liefern Waldungen hinunter. Nur dasMurmelthier, seiner Wohnung getreu, bleibt droben, um vomWeinmond bis zum März seinen langen Winterschlaf zu halten.Es ist unmöglich, das Schauerliche einer vom Winter beherrschtenGebirgshöhe zu malen. Alles Leben stockt. In den entseelten Ge-strüppen der hohen Felsmaffen kein Vogel, kein Gewürm. Eineinförmiges Chaos von Eis- und Schneewüsten und Trümmern ge-stürzter Berge lagert seine Schrecken zwischen Klüften und schat-tigten Abgründen aus. Keine Spur des Lebens, keine Wohnung,kein Wanken begegnet dem Auge in der weiten Stille. Nur zu-weilen irrt ein Gewölk über das todte Einerlei herab, wie über denLeichnam einer Welt, deren der Schöpfer vergessen will. Riesen-hafte Felsensäulen ragen schwarz aus Tiefen in Schnee und Nebelverloren, wie trauernde Grabmäler der verstorbenen Natur.

Dies ist der Anblick, welchen der Bewohner der höchsten Berg-thäler ein halbes Jahr lang über sich hat. Und eben so lange