Druckschrift 
33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

148

dadurch 'am schmerzlichsten, daß ste ihm den Handel mit Indienzum Theil entzogen, dessen bisherige Stapelplätze, Lissabon,Cadir und Antwerpen, alle in seiner Gewalt vereint lagen.

Frankreich wie England sahen lange frohlockend den Verfallder spanischen Uebermacht, und halfen den Holländern ihre Er-oberungen und Beuten in fremder Weltgegcnd schirmen, Er-oberungen , deren Werth jene zwei Reiche damals kaum zu schätzenwußten.

So wurden in der zweite» Hälfte des sicbenzehnten Jahrhun-derts, bald nach errungener Freiheit, die vereinigten Niederlandeder erste Handclsstaat der Welt, und ihrer Seemacht kam keineandere gleich. Mit ungefähr hundert Kriegsschiffen trotzte» siejeder nebenbuhlerischen Gewalt. Ihre ostindische Gesellschaft,bereits in den zweifelhaften Augenblicken des Freiheitskrieges (1602)gegründet, eroberte Inseln und Königreiche in Asten, mit einemGrundvermögen von 6,459,840 Gulden; und die ersten Aktien des-selben von 3000 Gulden stiegen bald zu einem Werth von 18,000empor. Mit ungefähr zweihundert Schiffen betrieb sie den Handelbis China, sogar nach Japan, wohin kein anderes europäischesVolk Eingang fand. Sie versorgte unfern Welttheil mit den aroma-tische» Produkten der Gewürzinseln, mit Gold, Perke», Edelsteinenund köstlichen Stoffen des Orients. Geringer» Glückes konntesich die später gestiftete westindische Kompagnie rühmen; abersie begann, als Frankreich und England schon eifersüchtig auf Hol-lands Größe und die Quellen seines NeichthumS blickten.

Cromwcl war der erste, welcher die Briten an ihre Bestim-mung mahnte, als geborne Seeleute, die Herrschaft des Ozeanszn ergreifen. Ludwig der Vierzehnte strebte für sein Volknach gleichem Ziel; er schuf Hafen, Arsenale, Werften, Kriegs-flotten. Aber in seinen Unternehmungen mehr prangend, als plan-voll; begieriger, mächtig zu erscheinen, als zn sein, fehlte seiner