— 100 —
Wegs alle Provinze» mit einerlei Härte behandeln ließ; inanverwaltete die entfernter», besonders die Nachbarn der Lombardei,wie BreSeia nnd Bergamo, auch die Hauptstadt selbst, weitausmilder, als die übrigen Gegenden, weil in der Hauptstadt, wiein der Lombardei, jeder Volksanfstand für das Patriziat gefähr-licher gewesen wäre, als im Innern des Landes, oder in Dal-matien und den Inseln. Die empörendsten Beispiele gcwaltherr-lichcn Schaltens wurden dabei nur selten gegeben, oder gelangtenselten zur öffentlichen Kunde. Die Grausamkeit der Polizei bezogsich mehr auf Beschützung der Sicherheit und des Ansehens derNegierung, als auf andere Vergehen. Vielmehr war dem Lebennnd Treiben der Menschen, sobald es nicht unmittelbar an dieSache des Staates rührte, eine Freiheit gestattet, die oft in Zügel-losigkeit überging nnd in wenige» andern Ländern erlaubt gewesenwäre.
In später» Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts ließ die Ver-waltung noch in vielen Stücken von ihrer vormaligen Strenge nach,sei cs, daß das Beispiel der Milde, welches andere Negierungengaben, bessere Ueberzcugungen hervorgcrnfcn hatte, oder daß dervencdische Senat im lebendiger» Gefühle wachsender Schwäche er-kannte, die Ruhe des Staates müsse durch kräftigere Mittel, alsdurch Mielhsoldaten und Staatsinguisttoren geschirmt werden. Mangewährte den Dalmaticrn, die sich zum griechischen Glaubensbe-kenntnisse hielten, (im Jahre 176l) Freiheit des Gottesdienstes,wie hart der Papst auch die Republik darüber anließ. Man schloßden reichern Unterthanen Möglichkeit auf, in den Rang des herr-schaftsfähigcn Adels zu treten. Durch einen Beschluß (von 1775)wurde das goldene Buch für zwanzig Jahre offen gehalten, daßsich Edellente der Unterthanenlande, die zehntausend Dukaten Ein-künfte hatten nnd ihren Adel bis zum Nrältervater zurückführten,ans vierzig an der Zahl, einschreiben lasse» konnten.