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Man sah eines Morgens (im Jahre 1818) viele Menschen an denGalgen des St. Markusplatzes aufgehenkt. Es waren allesammtfremde, unbedeutende Leute, wie deren sich in volkreichen Städtenimmer aufzuhalten Pflegen. Den Tag nachher waren die Galgenmit neuen Hingerichteten belastet, die ebenfalls Niemand kannte.Man sagte sich, daß noch weit mehr Personen erdolcht und er-tränkt worden wäre». Den wahren Beweggrund zu diesen Mörde-reicn hat man nie vernommen. Kein vorausgegangenes Ereignis,kein nachfolgender Umstand hat jemals das abscheuliche Räthsclgelöset. Der damalige französische Gesandte in Venedig behaup-tete, cs sei der Regierung, sich der oSmanischen Pforte gefälligzu erweisen, darum zu thun gewesen, einen den Türken verhaßtenKorsaren aus dem Wege zu räumen, und um ihn sicher zu treffen,habe man Viele, die verdächtig schienen, aufgeopfert. Fünf Mo-nate nach dem blutigen Gräuel ordnete ein Beschluß des Senatsöffentliche Dankgebete, wegen Rettung der Republik aus großerGefahr, an. Aber worin die Gefahr bestanden, blieb Geheimnis.Vielleicht geflissentlich breitete man das Gerücht von einer ent-deckten Verschwörung aus, um dem Geschehenen einen Schein derNothwendigkcit zu borgen. — So handelte die venedische Polizei.
8. Venedig im achtzehnten Jahrhundert, vor dem Unter-gänge seines Staates.
Daß das Volk diese Herrschaft der Willkür, des Argwohns undSchreckens nicht nur erträglich, sondern gar behaglich finden konnte,fällt Keinem auf, der da weiß, daß ja auch wohl Leibeigene, ohneGefühl für Würde der Menschheit, ihren schmachhaften Stand demungewohnten Stande der Freiheit vorgezogcn haben. Man mußaber auch nicht die Klugheit der Negierung vergessen, welche keines-