Man hat die Unveränderlichkeit der vcnedischen Negierung, dieFestigkeit ihrer Einrichtungen oft bewundert. Aber diese ging ausder Natur einer argwöhnischen, um ihr Dasein besorgten Aristo-kratie hervor. Das Glück des Staates blieb dem Wohlsein desPatriziats ewig untergeordnet. Man hat bewundert, was ebenein Gebrechen war und das Unheil des Laguncnstaatcs herbeirief.Man hat, geblendet von dem Wunderbaren oder Eigenthümlichendieser Regierung, den langen Fortbestand des Staates der Weis-heit seiner besonder» Verfassung zurechncn wollen, während er,schwach an Mittel» gegen die Gewalt überlegener Nachbarreiche,nur durch deren Großmuth, oder durch ihre Achtung des Völker-rechts, oder durch ihre gegenseitige Eifersucht ein Dasein behielt,welches er eben so bald verlor, als jene Bedingungen seines Le-bens aufhörten.
Gegen innere Erschütterungen schützte ihn freilich die schauer-liche Wachsamkeit der Staatsinquisition, deren Laurer im Dunkeljeden Schritt des Unterthancn, wie des Patriziers verfolgten.Noch ausgedehntere Macht des Zehncrraths, die dieser mehrmalsdadurch zu gewinnen bemüht war, daß er sich nach Gutdünkenzahlreiche Beigeordnete aus dem Großen Rathe und andern Be-hörden nehmen und wieder entlassen zu können das Recht suchte,mußte selbst dem gcsammten Patriziate gefahrvoll dünken. Mangestattete ihm die Bermehrung nicht. So lange er aus zehn Per-sonen, nebst Beiordnung des Duca mit sechs von dessen Näthen,bestand, konnte er, wegen der geringen Zahl seiner Glieder, nieein zerstörendes Uebergewicht erhalten. Auch ward ihm (schon imJahre 1583) das Befugniß untersagt, eigenmächtig in die Ver-waltung der auswärtigen Angelegenheiten und des Staatsvermö-gens einzugreifen. Aber seine Schreckensherrschaft ließ man ihmgern, in der er als Wächter der Staatssicherheit unantastbar standund um keine seiner Grausamkeiten verantwortlich werden konnte.