so
und der vornehmsten Stellen des Landes, mußten mehr um Er-haltung und Sicherstellung ihrer Genüsse und Vorzüge be-kümmert sein, als um Bereicherung der Bürgerschaft. Sie, zumRegieren geboren, blickten mit zunehmender Geringschätzung aufdas Treiben von Gewerben, durch die einst ihre Väter groß ge-worden waren. Allenfalls sprach ihren Stolz noch die Ausdehnungnicht allzufcru gelegener Nnterthancnlande an, um, was für denStaat am Gewinn des Handels verloren ging, durch Abgaben z»ersetzen, oder um die Kinder des Adels mit Stellen zu versorgen.Sobald Venedig Landmacht geworden, sank cs als Seemacht.Bei den vielfachen Erschütterungen Italiens wurde es fort undfort in erschöpfende Landkriege verwickelt und in alle Schicksaleeingcflochteu, die über diese Halbinsel gingen. Dadurch sah cssich gezwungen, endlich fremde Kricgslcute zu miethen und ihnensein Heil anzuvcrtrauen, während denselben sein Gold zustoß. Sosank Venedig.
Auch die ehemalige Strenge der Sitte» war schon in der Fülledes müßigen Genusses erschlafft. Die Eroberung Zyperns warddurch die vom wollüstigen Eilande in die Lagunen verpflanzte Ucp-pigkeit verderblicher, als vortheilhaft. Denn die reichen Venezianer,welche dorthin zogen, um ihres Daseins in ungebundener Lust z»genieße», oder die Beamten, welche dort im Vergnügen der Ge-walt und des Wohllebens geschwelgt hatten, nahmen ihre Ge-wohnheit an Pracht und Weichlichkeit in die Hauptstadt mit zurückund vergifteten durch Beispiel die Denkart der nachahmerischenMenge. Die Regierung, mir die innere Ruhe des Staats unddie patrizischen Hoheitsrechte mit Eifersucht hütend, litt es gern,daß die Liebe der Freiheit in den Armen der Wollust starb, »ndsah um so gelassener den Fortschritten des Lurus zu, da er dieGemüther zu.edlcrn oder stolzern Ansprüchen unfähig machte. —Der ärmere Adel war zu abhängig, um auf die öffentlichen An-