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Die venedische Regierung wiegelte den Sultan Von Aegyptenauf, die Niederlassungen der Europäer in Indien zu hindern, wobisher die Muhainedancr allein den Verkehr gehabt hatten. Da diesohne Frucht, denn der Sultan hatte dazu weder Macht noch Geistgenug, wandten sich die Venezianer an den König von Portugal.Sie erboten sich, alle aus Asien kommende Waaren von ihm umeinen bcsiimmtcn Preis anzunehmen, wenn er ihnen den Verkaufderselben im übrigen Europa ausschließlich gestalten würde. Alleinder König war zu klug, ihnen de» Alleinhandel zu lassen. Sowählten sie als das letzte Mittel: alle über Aegypten kommendeWaaren von jeder Abgabe frei zu machen, und dagegen alle, dievon Portugal hervorgingcn, möglichst zu belasten und ihren Ver-schleuß zu hindern. Wie wenig aber diese Maßregel dem neuenGange des Handels Abbruch ihn» konnte, sieht Jedermann leicht ein.
Schon alle diese Schritte Venedigs in dem entscheidendstenAugenblicke beweisen, wie sehr der alte, kühne, kluge Unterneh-mungsgeist entwichen war; wie nicht nur Ungunst der äußern Ver-hältnisse, sondern mehr noch Verderbnis» der innern, den Verfallder bisherigen Stärke hcrbeirief. Billig muß man erstaunen, daßdie Negierung, daß das Volk nicht selbst Flotten zur Eroberungfester Plätze in Ostindien ausrüstete und mit überlegener Einsichtund kaufmännischer Thätigkeit den Portugiesen die Urquelle derkostbaren Schätze, nach denen Europa von jeher geizte, streitigmachte. Aber Venedig war nicht mehr die freie, nicht mehr die alte!
Durch Rechtsgleichheit aller Bürger einerseits und durch Han-delsverkehr anderseits hatte dieser Inselstaat vorzeiten sich zur aus-gedehnten Herrschaft erhoben und den schwersten Unfällen getrotzt.Jetzt, seit Einführung der Aristokratie, war der Welthandel nichtmehr der höchste Wunsch der Patrizier. Diese, im ruhigen Besitzder Macht und Selbstherrlichkeit, im Genuß ererbter ReichthümcrZsch. Ges. Schr. 33. Thl. 4'