Druckschrift 
33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

gekommen, Statthalter in den ehemaligen Pflanzort zu senden.Die Einwohnerschaft jeder der kleine» Inseln wählte sich selbstRichter über ihre Streithändel; die Gesammtheit der NichteroderTribunen, wie sie genannt wurden, bildete eine Regierung über dieAngelegenheiten Aller; in den wichtigsten Fällen entschied aber diezusammenberufene Gemeinde.

Diese Einrichtung genügte fast dreihundert Jahre lang, so langedie Volkszahl mäßig, die Geschäfte und Verhältnisse der Menscheneinfach waren. Aber mit Vermehrung der Leute und wachsenderUngleichheit des Vermögens vervielfachten sich allmälig die inner»und äußern Beziehungen des kleinen Inselstaates. Die Aemterwurden wichtiger, schwieriger, mit größer» Entschädigungen für dieMühwaltung ausgestattct. Der Reichthum paarte sich mit dem Ehr-geiz, die Armuth mit dem Neid. Es entstanden Parteiungen undStöße. Eine Obrigkeit, aus zu vielen Gliedern zusammengesetzt,mußte in ihren Berathungen oft zwieträchtig, in ihren Schrittenschwerfällig werden. Besonders aber machte unaufhörlicher Kampfmit den Seeräubern das Bedürfnis! einer kraftvollen und behendenFührung des Gemeinwesens von Jahr zu Jahr fühlbarer.

Darum billigte die Versammlung des Volks, als es eines Tagesseinen Zustand berieth, die Vorschläge des Patriarchen von Grado,der das Amt des obersten Seelenhirten in den Lagunen führte:Einer müsse, wie bei Kriegsheeren, Oberhaupt und Anführer Allersein; die Gemeinde ihn auf Lebenszeit aus ihrer Mitte wählen;dem Volke aber in großen Angelegenheiten die Entscheidung bleiben.Zum ersten Führer oder Duca über Alle ward Panlutio ANa-se sto (ün Jahr 697) erwählt.

Dieser Herzog ernannte seine NLthe, auch die Tribunen derInseln und die Hauptleute beim Heere. Er berief Volksversamm-lungen und ertheiltc den von Geistlichkeit und Bürgerschaft gemein-sam erwählten Prälaten Investitur. Dieser jähe Uebcrgang aus