3t
die ungeheure Selbstverblendung nur erstaunen kann, in der dasübersehen wird, was alle Weltalter durch ihre Schicksale bezeugthaben.
Sobald ein Volk zu der Ueberzeugung gelangt ist, nur vomThron und Staat, nicht von Vermögen und Einsicht einiger Ständeabhängig zu sein, vermischen sich die Stände. Das Volk, als In-haber der wahren Kraft des Staates, spricht diejenige Achtungan, welche es einst denen gezollt hatte, die vorzeiten Inhaber derStaatskraft gewesen waren.
Die heutige Regsamkeit der gebildeter» abendländischen Nationenist also, bei dem verwandelten Zustande der bürgerlichen Gesell-schaft, nicht wunderbar; aber sie aus dem Dasein einer stnsternPartei von Demagogen und Unruhstiftern erklären wollen, nurdas ist wunderbar.
An der Selbstthätigkcit der Nationen, die sich groß genugäußert, wird Niemand Zweifel nähren. Während des spanische»ErbfolgekriegcS ließ das Volk hinter den Pyrenäen noch die großenMächte walten, wer die Kronen Kastiliens und beider Indien tra-gen sollte. Aber hundert Jahre später nahm das Volk über dengleichen Gegenstand selbst das Wort, und ohne Scheu sogar gegenden Mann, dem die Hälfte des Welttheils gehorchte. Die Polenschloffen sich eigenwillig an Napoleons Heer gegen Rußland; diePreußen hinwieder, unaufgefordert, an die Russen gegen Na-poleon. — Wenn in künftigen Kriegen die Nationen selbsthandelndeinschreiten, oder wenn nicht leicht Kriege mehr unternommenwerden, wider die Neigung der Nation, darf dies nicht uner-wartet sein.
Diese Selbstthätigkeit der Völker bewirkt heutiges Tages schnel-lere und größere Weltverwandlungcn, als die ehemalige Thätig-keit der Geistlichkeit oder des Adels.
Ich könnte, um dies zu beweisen, die lange Reihe gemeinnützi-