S4
der» aus seinem Privatvcrmögen. So brachte das Medial- undFeudalwesen die landständische Verfassung.
Neben den Königen und freien Oberherren, welche zwar In-haber des meisten Grundeigenthnms, aber nicht der meistenKenntnisse waren, entfaltete sich, durch Uebermacht geistigenVermögens, die Hierarchie, und in Kurzem ward die Kirche Neben-buhlerin des Thrones. Aber die Kreuzzügc, von Päpsten undMönchen selbst aufs eifrigste betrieben, veranlaßten zuerst, daßsowohl die Uebermacht der Kirche als das Ansehen der kleinen,weltlichen Oberherren brach, und mithin in Europa die Formen derbürgerlichen Gesellschaft durchaus sich ändern mußten. Die un-gleiche Vertheilung des Eigcntynms und der Kenntnisse ward durchdie Kreuzzüge vermindert. Denn während eine zahllose Mengeder adelichen Eigcnthümer durch den Aufwand ihrer Andacht ver-armte, erhoben sich die Städte durch Handelsverkehr; das Loosder Leibeigenen und Hörigen milderte sich in Zeiten ewiger Kriegeund Fehden, da man streitbarer Männer bedürftig ward. Vielzinsbares Gut ward Eigenthum der Zinslente, viele Leibpacht zurErbpacht, so wie anderseits Fürsten und Grafen ihre Lehen inErbgut verwandelten und an der ehemaligen Abhängigkeit von denKönigen nichts, als Namen und Formeln bestehen ließen. Mitdieser Zerstreuung des Eigenthums an mehrere Theilhaberverband sich auch Verbreitung der Kenntnisse unter den Laien, wo-zu die Ungeheuern Reisen der Kreuzfahrer, der Verkehr zu Wasserund zu Lande mit dem Orient und der Reichthum der Städtenothwendig wirken mußten.
Was die Kreuzzüge begonnen hatten, vollendete die Erfindungdes Schießpulvers, welches den Nitterstand entbehrlicher machte;vollendete die Erfindung der Buchdruckerpresse, welche die Wissen-schaft zum Gemeingut machte; vollendete die Entdeckung Amerika's,so wie der Wasserstraße nach Indien, wodurch alle Handelsver-