Druckschrift 
33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

kehren, ist Wohl nicht viel leichter, als den Erdball zu zwingen,sich von Morgen nm seine Achse gegen Abend zu drehen.

Die mächtigsten Monarchen des Festlandes, die berühmtestenStaatsmänner Europens standen zur Berathung der Weltangelegen-heiten in Verona versammelt. ES lag wohl nicht in ihrer Absicht,Schiedsrichter des Wclttheils zu sein, sondern nur, sich und ihreNationen durch Eintracht gegen die Stürme zu verwahren, dieeinen großen Thcil Europens erschütterten. Ihr Blick war einzigauf rein staatsthümliche Verhältnisse der Völkerfamilien ge-richtet, und ihre Sorge, daß die gewaltthätige Zerrissenheit nichtgrößer werde. Weiter hinaus erstreckt sich auch die Wirkungkeines Staatsmannes und des gewaltigsten Scepters nicht. AllesNebrige bleibt einem göttlichen Verhängnisse anhcimgestellt, inwelchem, so wie im unaufhaltbaren Strome geistigen Lebens, Alles,ohne es zu fühlen und zu wissen, fortgezogen wird.

Daß es zu Verona nur um bloß staatsthümliche Verhältnissedes Wclttheils, und zwar nur um die Wirren des Jahres,nicht des Jahrhunderts, zu thun gewesen sei, offenbart sichaus dem bekannten Kreisschrcibcn an die Gesandten, vom 14. De-zember 1822, welches zugleich als Manifest der drei Monarchenvon Rußland, Preußen und Oesterreich gegolten zu haben scheint.Indem sie es mit dem Stand der Dinge am Ende des Jahrs 1822zu thun hatten, und erklärten, sich nicht in die Unruhen Griechen-lands mischen zu wollen, Spanien in seinen Gährungen nicht völ-kerrechtlich anerkennen zu dürfen, weil sie für Pflicht hielten, kei-nen ertrotzten Staatsverbefferungen Hand zu bieten waren sieweit davon entfernt, einen Bund zur Umkehrung der Bedürfnisseund Begriffe des Jahrhunderts zu schließen, oder das Fortschreitendes menschlichen Geschlechtes zu hemmen. Denn sie wollten nichtdas Unmögliche; ja, sie fuhren selber fort, in ihren eigenenStaaten mit allen Kräften auf das hinzuarbeiten, was den Zustand