Druckschrift 
Bd. 1 (1824) Freyheit des menschlichen Willens
Entstehung
Seite
311
Einzelbild herunterladen
 

311

einander unterscheiden. Eine derselben rührt vom Wil-len des Ucberrcdcnden her / wie z. B. jene Wahrneh-mung/ welcher beystimmcnd der Mensch gesündiget hat/vom Teufel; eine andere rührt von Dingen her/ welcheentweder der Absicht der Seele/ ober den Sinnen desKörpers untergeordnet sind. Der Absicht der Seele istAlles untergeordnet/ ausser der unwandelbaren Drcy-faltigkeit/ welche ihr nicht untergeordnet/ sondern viel-mehr übergeordnet iss. Der Absicht der Seele ist alsountergeordnet: vorerst die Seele selbst; daher die Wahr-nehmung unseres Lebens: ferner der Körper; daher dieWahrnehmung der Bewegung eines jeden Gliedes desKörperS/ wie sie zu irgend einem Werke erfoderlich ist.Dem Sinne dc-S Körpers aber ist untergeordnet allesKörperliche. Daß bey Betrachtung der höchsten Weis-heit jedoch/ welche keineswegs die Seele selbst ist/ zu-mal die höchste Weisheit unwandelbar/ die Seele hin-gegen wandelbar ist/ die Seele auch sich selbst anschauen/und gleichsam sich in sich beschauen kann / ist nur möglichvermittels einer Eigcnthümlichkcit der Seele/ welche sievom Wesen Gottes unterscheidet/ und vermöge welchersie gleichwohl/ wie Gott/ ein Gegenstand des Wohlgefal-lens für sie selbst zu seyn vermag. Vollkommner ist aberdie Seele/ wenn sie vor Liebe zur unwandelbaren Wesen-heit Gottes sich selbst vergißt/ und in Vergleichung mitderselben sich selbst so viel als nichts achtet. So wiesie aber sich selbst findet/ und Gott auf verkehrte Weise