297
Gerechtigkeit/ seinen Verdiensten gebühret; denn deßwe-gcn hat er ein Wesen nicht böse geschaffen/ weil eS an-fänglich nicht so vollkommen ist/ als vollkommen durchfortgehcnde Entwickelung werden zu können/ es das Ver-mögen hat/ zumal in seinem unvollkommenen AnfängecS schon viel vortrcflichcr ist/ als alle Körper/ ungeach-tet jeder Körper in seiner Art nach dem Urthcilc dergesunden Vernunft preiswürdig ist. Wenn also Jemandnoch nicht weiß/ was er thnn soll/ rührt dieses Nicht-wissen daher/ weil er die Gabe des Wissens noch nichterhalten hat; er wird sie aber erhalten / wofern von den,/was er jedesmal erhalten hat / er guten Gebrauch macht.So viel jedoch hat jeder erhalten/ daß/ falls er nurwill/ mit frommem Sinn und gehöriger Anstrengungdie Wahrheit zu suchen ihm möglich ist. Wenn er abererkennt / was er thun soll/ jedoch dieser Erkenntniß nochnicht zu entsprechen vermag; so hat er auch dieses Ver-mögen noch nicht erhalten: denn ein erhabenerer Bc-standtheil seines Wesens gehet/ in Wahrnehmung des-sen/ was er thun soll/ voraus': ein langsammcrcr aber/und fleischlicher Bcstandthcil wird dcßwegcn noch nichtzur Ucbcreinstimmung mit der erhaltenen Erkenntnißhingcleitct. Diese Schwierigkeit ist geeignet/ den Men-schen zu erinnern/ wie nothwcndig cs sey/ den Beystanddesjenigen zur Vervollkommnung zu erflehen / den wirals den Urheber der beginnenden Vervollkommnung an-erkannt haben. Dadurch wird ihm aber dieser um so lie-