276
Erinnere dich doch/ wie lange wir schon früher überdie Sünde und den freycn Willen gesprochen haben!Sollte cs dir zn schwer falle»/ alles im Gedächtniß zubehalten/ so denke mir an dieses Wenige: was immerjener VcstimmungSgrund des Willens scyn mag/ der-selbe muß entweder von der Art/ daß man ihm nichtwiderstehen; oder dann von der Art scyN/ daß manihm wiederstehen kann. Im ersten Falle ist der Nicht-widerstand keine Sünde; im zweyten Fake soll Wider-stand seyN/ und dann ist/ wofern dieser erfolgt/ auchkeine Sünde. Doch vielleicht wird der Unvorsichtige ge-täuscht? Nun gut: so hüte er sich vor Täuschung. Alleinist vielleicht die Schlauheit zu groß/ als daß man durch-gängig vor Täuschung sicher scyn könnte? Wenn dieses'/dann ist wieder keine Sünde möglich/ oder wer solltesündigen in dem/ was er auf keine.Weise vermeidenkann? ES giebt aber Sünden/ also können sie vermiedenwerden/ weil Sünden nur gcdcnkbar unter Voraussetzungfrcyer Einwilligung sind. Freylich giebt cS auch Hand-lungen ans Unwissenheit/ welche mißbilliget/ undder Nüge würdig erachtet werden/ wie wir in den hl.Schriften lesen/ wo der Apostel sagt: (i. Timo. 1/ 13.)„Ich habe Erbarmung gefunden/ weil ich ausUnwissenheit es gethan habe": Und auch derProphet: (Psal. 24/ 7.) „Gedenke nicht der Sün-den meiner Jugend/ und meiner Unwissen-heit." ES giebt auch nothwendigc Handlungen/ wcl-