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Bd. 1 (1824) Freyheit des menschlichen Willens
Entstehung
Seite
271
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wie sehr immer Jemand vernachlässigen möge, was erzu khun schuldig ist, kann der Schöpfer niemals beschul-diget werden, zumal einerseits ihm zum Lobe gereichenmuß, weil ein solcher leidet, was er schuldig ist, undandererseits keiner getadelt werden kann, nicht gcthanzu haben, was er schuldig ist, ohne denjenigen zu loben,dem er schuldig ist. Wenn du gelobet wirst, weil dueinsichst, waS du zu thun schuldig bist, zumal du solchesnur im Lichte desjenigen sichst, welcher die unwandel-bare Wahrheit selbst ist; wie viel mehr muß derjenigegelobet werden, welcher sowohl das Wollen gebothc»,als das Können gegeben, nicht weniger das Nichtwoüen,wenn gleich zugelassen, doch auch gestrafct hat? Wennjeder schuldig ist, was er empfangen hat, und der Menschso geschaffen wurde, daß die Sünde nothwendig folgenmußte, war der Mensch schuldig zu sündigen. Wennalso der Mensch sündiget, thut er, was er zu thunschuldig ist. Doch, solches auch nur zu sagen, ist schänd-lich : denn keinen zwingt seine eigene Natur zum Sün-digen, ja nicht einmal die Natur eines Andern. Keinersündiget ja, weil er leidet, was er nicht leiden will;denn wenn er gerecht leidet, sündiget er nicht dadurch,weil er ungern leidet, sondern er hat gcsündigct durchfrcywilligeS Thun dessen, was nothwendig das unange-nehme Leiden nach sich ziehen mußte. Wenn er aberungerecht leidet, wie könnte dieses eine Sünde seyn?Nicht ungerecht leiden, sondern ungerecht Han«