Druckschrift 
Bd. 1 (1824) Freyheit des menschlichen Willens
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

was gegen den Begriff des göttlichen Verstandes undWillens; oder daß das eine Wesen an die Stelle desandern gesetzt werden könne/, ohne daß entweder daserste/ oder das zweyte Wesen aufhüre ein Wesen zuseyii/ nnd ohne daß die zweckmäßigste Ordnung derDinge gestört werde/ was schlechterdings undenkbarist; da nun also das erste und das zweyte unmöglich/ istauch nicht weniger unmöglich/ daß eine bessere Weltexistirc/ als die gegenwärtige Welt ist. Wollte Jemandcinwcnden/ ein glückliches Dascyn sey doch besser alsein unglückliches Daseyn; nun aber haben vieleGeschöpfe Gottes ein ung lückl"i ch cs Dascyn; alsokönnte die Welt vollkominner seyit/ als sie wirk-lich ist; so wäre ihm zu erwiedern: die Strafe derSünde/ als nothwendige Manifestation der göttlichenGerechtigkeit/ gehöre nothwendig zur vollkommenen Ord-nung der Dinge; nun aber sey das unglückliche Daseyneine Strafe der Sünde; folglich nach cingetretcnerSünde ein nothwcndigeS Scyn in der Idee der göttli-chen/ d. i. der vollkommenen Ordnung der Dinge. Weraber die Sünde schlechthin aufgehoben wissen wollte/müßte auch die menschliche Freyhcit aufgehoben wün-schen; nun aber ist diese eine Vollkommenheit/ undzwar viel vvllkommner als die Nicht-Frcyheit; mit-hin würde ein solches Verlangen/ consequcnt verwirkli-chet/ gerade das Vollkommene zerstören / und andesselben Stelle das Unvollkommene setzen.