Druckschrift 
Bd. 1 (1824) Freyheit des menschlichen Willens
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

bestehe; denn ans Menschen, welche durch ein Gesetz,das wir oben das zeitliche genannt haben, untersich verbunden sind, besteht ja jedes Volk. Sage mirzu diesem Behufs, ob du eine ganz gewisse Erkenntnis;

anderer Völker, die ihnen nicht aus Erfahrungkund sind, mit jenen, die sie kennen, zu vereinba-ren; in Einem Körper hingegen, oder in EinemTage, oder Hanse leicht sehen können, wa-S diesem,oder jenem Gliede, was jeder einzelnen Zeit, sowiejeder einzelnen Person angemessen ist, so sind jeneihnen anstößig, indeß sic diesen sich fugen.

Dicß wußte ich damals nicht, und achtete nichtdaranf, und überall schwebte mirS vor Augen,und ich sah c-S nicht. Dennoch sang ich Lieder,und unerlaubt war cS mir die Fsisse der Verse nachWillkühr zu stellen, sondern in jedem Versmaßemußten sic anders gestellt; ja selbst nicht in jedemVerse durfte überall der nämliche Versfuß ange-wandt werden. Gleichwohl war die Singkunst nichthier so, dort anders, sondern alles zugleich faßtesic. Und ich sah nicht, wie die ewige Gerechtigkeit,welcher die guten und heiligen Menschen dienten,auf weit vortrefflichere und erhabenere Weise Alle»zugleich in sich faßt, was sie bestehlt, und daß siein keinem Thcile sich ändert, und dennoch zu ver-schiedenen Zeiten, nicht alles zugleich, sondern je-der Zeit anordnet, verthcilt und bestehlt, was' ihrals eigcnthümlich zukommt. Und ich blinder tadeltedie frommen Väter, die nicht nur die ihnen gegen-wärtigen Zeiten und Gaben also anwendctcn, wieGott eS ihnen befahl und eingab, sondern auch dieZukunft, wie Gott sie ihnen offenbarte, vorher-verkündigten.

Nach SilbertS Ucbersetzung.