Im Gcmüthc redet Gott unmittelbar zum Menschen,und offenbaret sich dem Ohre der Seele, d. i. demEcmiithc, nicht dem Ohre des Körpers, und zwarnicht durch irgend einen Schall, oder andere sinn-liche Vermittlung, sondern durch die Wahrheitselbst. Durch dasjenige, was das Vortrefflichste inder Seele ist, spricht der, welcher einzig noch vortreff-licher ist, zu dem Menschen. Durch den Thcil derSeele also, welcher höher ist, als alle übrigen Thciledes Menschen, die er mehr, oder weniger auch mit denThicrcn gemein hat, kommt der Mensch näher dem nochHöhen: Wesen und dem Höchsten, Gott. Durch diesesGöttliche in seiner Seele, durch das Gemiith, wird erGottes inne. Mit Recht heißt also das Gemiith einSinn, aber ein nicht nur von dem Körperlichen,sondern auch von Gemein sinn der Seele verschiede-ner und höherer Sinn, durch den sie das körperloseund unwandelbare Wesen der Dinge vernimmt.
Allein dieses Vernehmen ist nicht bloß eine passi-ve, sondern auch eine activc Thätigkcit der Seele;oder diese hat nach der neuern Schulsprachc nicht nurNcccptivität, sondern auch Spontaneitöt inBezug auf Dinge der übersinnlichen Welt. DieseSpontaneität der Seele, oder das übersinnli-che Erkenn tnißv ermögen derselben heißt Ver-nunft. Im Gcmüthc, welches Gott der menschlichenSeele verliehen, schlummert gleichsam die Vernunft,