Druckschrift 
Oberon
Entstehung
Seite
260
Einzelbild herunterladen
 

260

Oberon.

3 .

Die heiße Tageszeit vertritt das Amt der NachtIn diesem Land, nnd wird verschlummert und verträumet.Allein, sobald der Abendwind erwacht,

Fragt Hüon, den die Liebe munter macht,

Schon alle Schatten an, wo seine Holde säumet?

Er weiß, die Nacht wird hier mit Wachen zugebracht;

Doch darf sich in de» Gärten nnd Terrassen

Nach Sonnenuntergang nichts männlichs sehen lassen.

4 .

Die Damen pflegen dann, beim sanften MondesglanzBald paarwcis', bald in kleinen Rotten,

Die blühenden Alleen zu durchtrotten;

Und ziert die Fürstin selbst den schönen Nymphenkranz,

Dann kürzt Gesang und Saitenspiel nnd Tanz

Die träge Nacht; drauf folgt in stillen Grotten

Ein Bad, zu dem Almansor selbst (so scharf

Gilt hier des Wohlstands Pflicht) sich niemals nähern darf.

5 .

Amanden (die, wie unser Ritter glaubte,

Im Harem war) zu sehn, blieb keine Möglichkeit,Wofern er nicht sich um die DämmrnngszeitIm Garten länger säumt als das Gesetz erlaubte.

Er hatte dreimal schon die unrnhvollste NachtIn einem Busch, an dem vorbei zu gehenWer aus dem Harem kam genöthigt war, durchwacht,Gelauscht, geguckt, nnd ach! Amanden nicht gesehen!