und dcr von den Vorthcilcn dcs Handels bestimmten Staatsknnst. 821
Polen, wie in Sachsen, sein Minister Brühl. Dieser machte den Hofzu einem Schauplatze großer Ueppigkeit und Verschwendung, wodurchder Adel des Landes, indem das Beispiel ihn verführte, allmälig seinenkriegerischen Sinn einbüßte. Wurde Polen bei seinem Mangel an in-nerer Einheit hierdurch ein noch unbedeutenderes Glied in der Gesammt-heit der europäischen Mächte, so fiel es auch ganz der Vormundschaftderjenigen Macht anheim, die ihm seinen jetzigen König gegeben hatte,und die ihren Vortheil dabei fand, es in dem Zustande der Schwächezu erhalten. Während sonst allenthalben die Staatskunst die Kräfte derVölker in die Hände der Negierungen gebracht hatte, verharrte Polenin Verhältnissen, die einer längst vergangenen Zeit angehörten. Ihmblieb die Berechnung fremd, welche in den übrigen Staaten, ohne Rück-sicht auf das Wohl dcr Unterthanen, die Ergebnisse der Negierungskuustnach den Summen der Einnahmen und der Zahl der Truppen maß.Suchte anderswo die Staatsgewalt, indem sie das Leben in den engerenKreisen lähmte, Alles und ZedcS der Herrschaft der von ihr ersonnene»Regeln zu unterwerfen, so hatte sich hier, wenn auch mittelst ungefügerRegellosigkeit, ein beträchtliches Maß selbstständigen Lebens der die Ein-heit so schwach vertretenden Staatsgewalt gegenüber erhalten können.Die Enge der Grenzen, in welchen sich die Staatsgewalt bewegte, ließauch der Kirche eine ungehinderte Wirksamkeit, deren sie sich anderwärtsnicht erfreute, und mit der sie manche von der staatlichen Thätigkeitoffen gelassene Lücke heilsam ausfüllte. Daher erschien auch vielenPolen die Vormundschaft des despotischen Rußlands, das einer einheit-lichen Gestaltung dcs polnischen Staatswesens entgegen war, als einSchutz gegen das Eindringen der im Westen herrschenden Staatsgrund-sätzc, von welchen neben schädlichen auch heilsame Freiheiten eine Schmä-lerung zu erwarten hatten.
36. Frankreich, das es an unmittelbarer Unterstützung seines Schütz-lings hatte fehlen lassen, griff Oestreich, dessen Demüthigung der Haupt-zweck des Krieges war, mittelbar in Deutschland und unmittelbar inItalien an. In Deutschland brachen zwei Heere ein, eines, das Lothrin-gen besetzte, ein anderes, das die Straßburg gegenüber gelegene FestungKehl wcgnahm. Das Bemühen des Kaisers, die Hülfe des Reiches zugewinnen, wurde dadurch unterstützt. Denn wenn auch der Verlust desReichslandes Lothringen am Reichstage zu Negensburg gar nicht inErwähnung kam, schien der Verlust Kehls und die Brandschatzungen,welche die auf der rechten Seite des Rheines gelegenen Länder von denFranzosen zu erleiden hatten, ein parteiloses Zusehen nicht zu gestatten.Nichtsdestoweniger erklärten die Kurfürsten von Baiern, Pfalz undKöln sich für parteilos, so daß für Frankreich wieder, wie ehemals, einThcil des Reiches offen stand. Dagegen stellte Friedrich Wilhelm, un-