686 Sieg des Protestantismus in England und in Schweden.
die königliche Suprematie, ließen sich jedoch zu dem geforderten Eidedurch eine Erklärung bestimmen, wonach die Suprematie, obgleich mitihr auch die Entscheidung über Religionsfragen in Anspruch genommenwurde, nur die höchste Gewalt über alle geistlichen und weltlichen Per-sonen unter Ausschließung jedes päpstlichen Einflusses bedeuten sollte.Doch blieben die Anhänger dieser Partei bei der Verwerfung des nachihrer Meinung nicht hinlänglich gereinigten Gottesdienstes und bei derForderung, eine kirchliche Regierung durch Aeltcste an die Stelle derbischöflichen gesetzt zu sehen. Die Königin konnte die Bestrebungen dieserPartei, die man Puritaner oder Presbyterianer nannte, nur mit Wider-willen und Besorgniß betrachten, da in ihren Lehren Keime zu einerfür das königliche Ansehn gefährlichen Ansicht über staatliche Verhält-nisse nicht zu verkennen waren, einer Ansicht, die sich in dem benach-barten Schottland der dortigen Königin gegenüber auch schon wirksamgezeigt hatte.
3. Der Sieg Elisabeths über Maria Stuart wurde durch die Ge-staltung der schottischen Verhältnisse entschieden. Der eigne Vorthcil,wie der des Protestantismus, hatte von Anfang ihrer Regierung ihreAufmerksamkeit dorthin gelenkt, und die Ueberzeugnng, in ihr eine Be-schützerin zu haben, gab der Partei, welche der dortigen Königin gegen-nberstand, Beharrlichkeit und Kühnheit. Da Maria, die bei ihrer Ju-gend in dem aufgeregten Lande rathlos dastand, sich durch neue Ver-mählung eine Stütze zu verschaffen gedachte, schlug ihr Elisabeth ihrenLiebling Robert Dudlep, Grafen von Lcicester, einen jüngeren Bruderdes früher Hingerichteten Dudlep, zum Gemahl vor. Doch Maria ver-warf die Verbindung und reichte ihre Hand einem ihrer Verwandten,dem Grafen Heinrich Darnley, dessen Aeltern Margaretha, die Tochtervon Heinrichs VII. Tochter Margaretha aus einer zweiten Ehe, undder Graf von Lenor waren. Noch ehe dies geschah, war ihr Halb-bruder, der Graf von Murrap, unter dem Vorwände eines Kampfesfür den Protestantismus an die Spitze der Unzufriedenen getreten.Nach der Vermählung wurden die gegen die Königin geschmiedetenPläne vereitelt, aber es entstand ihr ein neuer Feind in dem eigenenGemahl. Dieser war ein Mann von rohen Sitten und von vielenAnsprüchen. Daher fand er bei der Königin einen Widerstand, welcherHaß erzeugte. Diejenigen, welche über die den Katholiken gewährte Reli-gionsfreiheit ausgebracht waren, stimmten Darnley dahin, daß er sich* mit ihnen verband. Der erste Streich, der geführt wurde, war dieErmordung des Geheimschreibers der Königin, des Piemontesen Niccio,den man für den Urheber dessen hielt, was die Königin Mißfälligesthat. Darnley drang im Jahre 1566 mit Genossen in das Zimmerder Königin, und Niccio wurde weggeriffen und mit vielen Stichen ge-