Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 2 (1856) Viertehalb Jahrhunderte
Entstehung
Seite
647
Einzelbild herunterladen
 

Spanien, Deutschland und Italien zur Zeit des Königs Philipp II. gz?

vermochte, kehrte er im Jahre 1587 nach England zurück. War durchseine Sendung ein offener Kriegszustand zwischen England und Spanieneingctrcten, so forderte Elisabeth die ganze katholische Welt dadurchheraus, daß sic die schottische Königin Maria, die in Bezug auf denThron von England ihre Nebenbuhlerin und als solche die Hoffnungder englischen Katholiken war, nachdem dieselbe in Folge der Ereignissein Schottland in ihre Hände gefallen war, im Jahre 1587 hinrichtenließ. Ermuntert von Papst Sirius V., rüstete nun Philipp zur Erobe-rung Englands eine große Flotte aus, die er die unüberwindliche Ar-mada nannte. Doch das große Unternehmen mißlang. Die Flotte, dieim Jahre 1588 von Lissabon ausgelaufen war, wurde im Canal zwischenEngland und Frankreich durch Stürme beschädigt und darauf von eng-lischen und niederländischen Schiffen, die den spanischen an Beweglich-keit überlegen waren, so unbrauchbar gemacht und zerstreut, daß ihrFührer, der Herzog von Medina Sidouia, den Rückweg um Schottlandnehmen mußte, auf dem er nochmals von Stürmen heimgesucht wurde.Alexander, der von den Niederlanden aus die Unternehmung hätte un-terstützen sollen, war von den Nordniederländern am Auslaufen gehin-dert worden, und sah durch das Unglück den vorher von ihm ertheiltenRath gerechtfertigt, vor dem Angriffe auf England sich eines irländischenHafenö als eines Stützpunktes zu versichern. Der Untergang der un-überwindlichen Armada bezeichnet einen Wendepunkt für SpaniensMacht. Der ungeheure Aufwand, den ihre Rüstung gekostet, hatte dieHülfsguellcn des Staates erschöpft und das Mißlingen den Schreckendes spanischen Namens vernichtet. Seitdem hoben sich England unddie Niederlande in dem Maße, wie Spanien sank. Der spanische Krieggegen die Niederlande war schon durch jene große Rüstung gelähmtworden. Er wurde cs noch mehr dadurch, daß der Heerführer bis zuseinem Tode, der im Jahre 1592 erfolgte, mehrmals auf Befehl desKönigs Feldzüge nach Frankreich unternehmen mußte. Die Städte inden nördlichen Niederlanden waren schon bei Alexanders Tode meistwieder verloren, und seine Nachfolger behaupteten mit Mühe die zwi-schen drei feindlichen Mächten gelegenen und durch den langen Krieg ingroßes Elend versetzten spanischen Niederlande. Endlich war Philipp,der am Ende seiner Laufbahn stand und seiner Unternehmungen so vielevereitelt sah, dieses Krieges müde, und hoffte denselben nicht allein zubeendigen, sondern auch die abgefallcncn Provinzen zur Rückkehr zu be-wegen, wenn er seiner Tochter Clara Jsabella Eugenia aus seiner drit-ten Ehe mit Elisabeth, der Tochter Heinrichs II,, als der Gemahlin desStatthalters der spanischen Niederlande, des Erzherzogs Albrecht vonOestreich, Bruders der Kaiser Rudolph und Matthias, die Niederlandenebst der Freigrafschaft abträte, wobei jedoch für den Fall der Kinder-

Kicscl, Wcltgcschichic. II. ^2