Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 2 (1856) Viertehalb Jahrhunderte
Entstehung
Seite
613
Einzelbild herunterladen
 

Kaiser Karl V. und die Kirchcntrennung in Deutschland.

613

des Kaisers fortführte, und als er es im Jahre 1555 erobert hatte, zurBefestigung seiner Herrschaft über dasselbe einer Anerkennung von desKaisers Sohne bedurfte. Es wurden bloß zwei Punkte an der Küste,die Gegenden von Piombino und Orbitello unter dem Namen des Statodegli Presidi von dem Gebiete von Siena getrennt, um mit dem König-reiche Neapel verbunden zu werden. Der Kaiser war um diese Zeitdurch körperliche Leiden an unmittelbarem Eingreifen in den Gang derEreignisse meist gehindert, und, der Staatshändel und Kriege überdrüssig,durch die reichen Erfahrungen seines Lebens zur Erkenntniß der Nichtig-keit aller irdischen Größe hingedrängt, schritt er zur Ausführung eineslängst gehegten Gedankens, seine Krone niederzulegen, um dem Abendeseines Lebens noch eine Zeit der ungestörten Vorbereitung auf den Todabzugcwinnen. Sich seiner Hoheit zu entkleiden mußte ihm um soleichter werden, da sie ihm nicht einmal die Mittel zur Erreichung dermit so vieler Anstrengung verfolgten Zwecke gegeben, da in Deutschlanddie Spaltung nicht besiegt, das kaiserliche Anschn nicht hergestellt warund die Feinde des Reiches, die Franzosen und die Türken, noch unge-beugt standen. Früher hatte er alle seine Kronen auf seinen SohnPhilipp zu übertragen beabsichtigt, aber in Betreff der Kaiserkrone warihm der Widerspruch Ferdinands und der Fürsten entgcgengetreten.Zuerst übergab er im Jahre 1555 die Niederlande, die er durch Be-seitigung der Landeshoheit des Bischofs von Utrecht um Utrecht, Oberysseloder das Land über der Issel und Gröningen vermehrt hatte, in Brüsselfeierlich seinem Sohne, und trennte sie dadurch ebenso ausdrücklich vondem deutschen Reiche, wie die Schweiz davon getrennt war. Im folgen-den Jahre that er daselbst das Nämliche für Spanien und alle davonabhängigen Länder Italiens und Amcrika's, worauf mittelst Schreibensdie deutschen Stände an Ferdinand als seinen Nachfolger gewiesenwurden. Sein Wohnort für den Rest seines Lebens ward ein Haus,das er sich bei dem Kloster San Just, unweit Plasencia, hatte erbauenlassen. Dahin begab er sich, nachdem er in Valladolid sich von seinenSchwestern, den verwittweten Königinnen von Frankreich und Ungarn,die ihn von den Niederlanden aus zur See nach Spanien begleitet,getrennt hatte. Seine Zeit zwischen Andachtsübungen, Gartenbau undmechanischen Arbeiten theilend, auch durch Rath auf die Negierung seinesSohnes einwirkend, lebte er hier bis zum Jahre 1558 und erfuhr sonoch eine glückliche Wendung des von ihm nicht beendigten französischenKrieges. Herzog Emanuel Philibert von Savoyen, der Sohn des Her-zogs Karl, siegte, als Heinrich auf Antrieb des Papstes Paul IV. denWaffenstillstand gebrochen, im Jahre 1557 bei St. Quentin, und derniederländische Graf Egmont im Jahre 1558 bei Gravelingen, unweitDünkirchen. Die Siege waren so entscheidend, daß Frankreich in dem