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Romantische Dichtung.
um das historische Element deutlich darin zuzulasscn. Aber die beidengenannten Werke folgten der Entwickelung der Literatur in geschichtlichenSkizzen, und hierauf fußten alsdann die größeren und weitläufigerenWerke von Franz Horn und Bouterwek, die die Geschichte der Poesie nachund nach zu einer Wissenschaft gestalteten, die sich neben anderen längstgepflegten Zweigen der Kulturgeschichte als ebenbürtig stellen durste.Daraus folgt indessen nicht, daß jene Werke auch in jener Zeit nichthätten gründlicher sein können, als sie sind, und daß ihre schlanke Gestaltihnen nicht wesentlich geschadet hätte. Dies haben auch schon die ernstenKritiker jener Tage, befreundete Männer sogar, wohl gewußt, undSolger hat z. B. über die dramatische Geschichte A. W. Schlegel's ineiner höchst milden und freundlichen Beurtheilung sehr treffend ins Lichtzri stellen gewußt, wie doch eigentlich alles Wesentliche, worauf es ankam,und gerade nach dem Sinne des Verfassers selbst am meisten ankam,mangelhaft, schief, ja ganz fehlend ist, wie aus lauter Rücksicht auf diegute Gesellschaft alles Schwierige mit vornehmem Leichtsinn übergangenward. In Friedrich Schlegel's Literaturgeschichte aber, die die Fruchteines Lieblingsstudiums, einer Lebcnsbeschäftigung ist, wird man sichnicht wenig über die außerordentliche Unsicherheit des Urtheils und Ge-schmacks wundern, über die vielen vielleicht, und mag, und dürste,über die herrschende Dämmerung E), nur gelegentlich von den Blitzengeistreicher Beobachtung durchbrochen sind, über die sonderbaren Miß-griffe, die durchaus nicht überall aus der engherzig religiösen Theorie,sondern auch aus Mangel an Kenntniß und aus einer unpoetischen Naturfließen. Reichlich finden wir hier bestätigt in einem systematisch geordne-ten und überlegten Buche, worüber sich Schiller und Göthe gleich beimAnfänge der neuen Kritik gewundert hatten, die große Verwirrung derUrtheile und die förmliche Akrisie, die dieser Kritik Charakter ist. Auchdieser Umstand lag begründet in der allzu großen Fülle neuer Dichtungenaus der Gegenwart und dem Vaterlande, aus allen Fernen und Zeiten,
108) Man höre folgende Eintheilung: Die erste und ursprüngliche Bestimmungder Poesie ist, eine große Vergangenheit festzuhalten» Die zweite, ein klares, sprechen-des Gemälde des wirklichen Lebens uns vor Augen zu stellen, was das Drama amlebendigsten kann; sie kann aber auch, in dritter Bestimmung, das höhere Leben desinneren Gefühls anregen! Das Wesen einer hierauf gerichteten Poesie ist eben die Be-geisterung, oder das höhere schönere Gefühl, und also besteht das Wesen der Poesiein der Dichtung, Darstellung, Begeisterung. In ersterer sind beide letztere vollständigvereint; aber auch ohne eigentliche Dichtung und ohne alles Wunderbare kann ein Werkdes Geistes oder der Rede durch Darstellung oder Begeisterung allein poetisch sein u. s. w.