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Romantische Dichtung.
er sich historisch mit den Uebergriffen des Verstandes in das Dichtuugs-werk versöhnen und kam von da im Verlauf weniger Jahre auf jene oben-berührten symbolisirenden Ansichten, die die Kunst zu einer allegorischenKünstelei und Verstandesspielerei machten. Ganz wie Schiller, spricht erder neuen Kunst ihren idealen Werth zu; er sieht das Höchste allerPoesie, zwar nicht absolut, aber doch annäherungsweise erreichbar, amZiele der modernen Kunst liegen; ja nach anderen Stellen scheint diesZiel dennoch absolut erreichbar dargestellt zu werden, und dieser Wider-spruch erklärt sich ganz aus der Schreibart des Buches, das nicht, wieA. W. Schlegel's Schriften, nach einer klaren Bestimmtheit strebt, son-dern durch ein verfinsterndes Hin- und Herreden ganz wie Herder's' ersteFragmente den Sinn mehr zu rathen, als fest zu ergreifen gibt. DieGeschichte der neueren Poesie, heißt es, stellt nichts dar, als den Streitder subjektiven Anlage und des objektiven Strebens in dem Kunstver-mögen, und das allmähliche Uebergewicht des letzteren. Wir Deutschestehen mitten in der Krise, aus dem subjektiv Schönen zu dem objektivSchönen, mitten aus der sentimentalen Dichtung in die naive zurückzu-kehren. Dies ist der Punkt, in dem bei ihnen, wie bei Schiller, die großeAchtung gegen Göthe wurzelt; dessen Beispiel eben verbürgt diese Wen-dung in unserer Literatur. Und nicht allein scheint ihnen Göthe's Beispieleinen Sieg dieses objektiv Schönen in der Produktion zu verheißen,sondern auch ihre eigene Empfänglichkeit dafür einen ähnlichen Sinn beiAllen, ihre poetische Durchbildung eine gleiche allgemeine zu versprechen;eine „durchgängige Herrschaft des objektiv Schönen über die ganze Masse,eine Verbreitung des Schönheitssinnes über die ganze Fläche" scheintihnen ein Ziel, an dem nicht zu verzweifeln ist. Aus diesen Sätzen folgertsich ein Zwiespalt der ästhetischen Theorien von selbst. Die rein naiveDichtung ist auch ihnen die wahre und ächte, sie scheinen aber einenRückgang dahin aus der modernen Zeit für möglich zu halten. Götheist ihnen nicht wie Schiller'»: ein ausnahmsweises Produkt der Zeit,sondern ein gesetzmäßiges, zielzeigendes; sie sehen nicht wie Schillereine ewige Kluft zwischen bewußter, kunstmäßiger und instinktiver, naiverDichtung, sondern sie schlagen eine Brücke von der einen zur andern.Bürger, der A. W. Schlegel bekanntlich zum Dichter weihte, konnte siemit seinem Doppelsinne für formale korrekte Kunstpoesic und unmittelbareNaturdichtuug zu dieser Annahme zu berechtigen scheinen. Sie verzagtendaher auch in diesen ersten Jahren noch nicht an Schiller, so wenig alsan sich selbst und ihrer verstandesmäßigen Dichtung, wenn gleich sieGöthe'n über jenen wegsetzten und in ihrer Schule Tieck hervorschoben;