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Romantische Dichtung.
von Ofterdingen weiter ausgebildet haben, und was nun so klar zurAnschauung gekommen war, sollte hinfort ins Leben gesetzt werden:praktisch verhandelt wollte Zach. Werner dasjenige haben, wasihn zwar auch schon in dem theoretischen Gesänge der Schlegel und ihrerFreunde entzückte. Göthe hatte die äußere Gestalt des Lebens im Mei-ster noch viel zu viel geachtet, und sein Roman durfte sich daher in derGegenwart bewegen; er war mit dem ganzen derben Realismus ver-söhnt, mit dem, was die neue Schule nach Novalis das Evangeliumder Oekonomic nannte, mit der Aufklärung sogar, die ihr, wie früherden Schülern von Hamann und Claudius, ein Greuel war, und die sieAbklärung nannte: die Hefe, die nach abgeschäumter Poesie aus demBoden des Lebens übrig bleibt. Novalis in seinem Romane war mitunserer gegenwärtigen Welt nicht so versöhnlich, er brauchte das Mit-telalter für seine Gestaltungen, er behandelte die „Ockonomie" aufsschnödeste, und Alles, was nach Freude am Realismus aussah, verwarfer; er setzte das Christenthum verklärend gegen den abgeklärten Boden-satz der Jlluminaten, Alles um ein poetisches Leben im ganzen Umfangedes Wortes zu gewinnen. Fragte man uns zwar nach dem Roman unddem Manne, dem in der neuen Schule eine solche Bedeutung geliehenwird, so würden wir ehrlich sagen, daß uns die Abstammung des Dich-ters aus einer herruhutischen Familie, seine Erziehung zur Poesie, seineBeschäftigung mit Zinzendorf und Lavater, den Mystikern und Neupla-tonikern und vor Allem die Brustkrankheit, die ihn frühe wegraffte, eineReizbarkeit und ein Gefühl der Vereinsamung und Trauer in ihm er-zeugt zu Huben scheint, deren Aeußerungen wir in keiner Weise die tief-sinnigen Bedeutungen leihen würden, die die Freunde des Geschiedenenhineingelegt haben. Dem Jüngling starb eine Jugendgeliebte und einBruder, und dies brächte in dem Krankhaften die Stimmung zur Reife,die sichtbare und unsichtbare Welt nur als Eine zu betrachten und einverklärtes Leben zu leben; aus der „Heiligkeit seines Schmerzes, seinerinnigen Liebe und Todessehnsucht erkläre sich, sagen seine Freunde, seinganzes Leben." Aber dabei schien es sie doch zu befremden, daß er sich ganzbald nach dem schweren Verluste seines Herzens mit einem andern Mäd-chen verlobte. Wie mit dieser Thatsache, so ergeht es uns mit seinemBuche. Wir treten in ein herrschendes Zwielicht, zu einem Helden, derganz poetisch geboren ist, der ein Stillleben führt und nur aus dem Echoder Bücher die Welt kennen will, in eine Zeit, deren Schilderung ganzhochpoekische Haltung zu fordern scheint, in einen Plan, der zu einerhyperpoetischen, märchenhaften und phantasmagorischen Allegorie