Jean Paul.
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er in seinen wissenschaftlichen Werken treffliche Winke und einzelneRegeln gegeben, hätte aber nie ein System der Erzichungskunst oderAesthetik geben können. Es ist nicht das Leben in seiner Fülle, was seineWerke, so umfangreich sie sind, umschreiben, sondern nur Bruchstückedes Lebens; cs ist nicht eine abgerundete Lebensweisheit, die sich, wiebei Göthe oder Schiller, aus dem Inhalt der Schriften wie aus demCharakter des Schreibers gleichmäßig ergäbe, sondern eö ist eine aphori-stische, launische Philosophie, die man daher so gern zerpflückt und inBlmnenlesen sammelt. Und wie die erträglichen Charaktere seiner Ro-mane nur die jugendlichen sind, und seine Männer und Greise zu Karrika-turcn werden, so möchte man von dem Autor selbst sagen, nur ein Seg-ment des Lebens und der entwickelten Menschheit falle auf ihn. Er sagteeö selbst, daß er das Gefühl des nicht völlig Reifwcrdens, der morali-schen Nnvollendung beständig mit sich trage. Er war kein fertiger Schrift-steller, und Herder traf genau das Rechte, wenn er ihn darauf ansah,erst etwas aus ihm zu machen, oder Lichtenberg, wenn er ihm prophezeite,ec werde groß werden, wenn er wieder von vorn anfauge. Vortrefflichhat Lichtenberg, indem er von Sterne spricht, eine andere Haupteigen-schast der Jean Paul'schen Romane blosgestellt. Es ist bekannt, wie eruns gern, gleich Sterne, dem er sich in Leben und Schriften verglich, indie wechselndsten Stimmungen versetzt, wie er Ernst und Scherz, Lachenund Weinen, und alle menschlichen Kräfte zugleich spielen läßt, wie eSim Leben ist, vergessend, daß die Dichtung die Härten der Wirklichkeitabglätten soll; wie er immer die „Flügel für den Aether, die Stiefel fürdas Pflaster an hat", wie er aus „Schoppe's Weisheit in die Hesperuö-rührung" überspringt, und wieder aus den „Dampfbädern der Rührungin die Kühlbäder der Satire zurücksetzt"; er muthet uns immer zu, denKitzel zum Lachen und den Reiz zum Weinen zugleich auszuhalten. DieStelle von Lichtenberg, in der er dies verwirft, ist folgende. „Es gibt,sagt er, ein untrügliches Zeichen, ob Einer, der eine rührende Stelleschrieb, wirklich dabei gefühlt hat, oder ob er aus einer genauen Kennt-lich des menschlichen Herzens blos durch Verstand und schlaue Wahlrührender Züge und'Thränen ablockt. (Dies wäre bei Jean Paul anderszu fassen.) Im ersten Falle wird er nie, wenn die Stelle vorüber ist, sei-nen Sieg plötzlich ausgeben. So wie bei ihm sich die Leidenschaft kühlt,kühlt sie sich auch bei uns, nnd er bringt uns ab, ohne daß wir eswissen. Hingegen im letzten Fall nimmt er sich selten die Mühe, sichseines Sieges zu bedienen, sondern wirft den Leser, oft mehr zur Bewun-derung seiner Kunst als seines Herzens, in eine andere Art von Ver-