22 Umst. d. konvent. Dicht, durch Verjüng, der Naturpocsie.
Freunden beschützt zu werden, durfte er dagegen aufrichtig zum Himmelflehen. Was jene Göttinger zu dem kräftigen Gegensatz gegen Wielandbestimmte, war derNachdruck, den Klopstock im Hintergründe ihrer Verbin-dung und ihren Richtungen gab. EheKlopstock's Einfluß auf sie mittelbarund unmittelbar begann, bestand sogar weder eine eigentlicheVerbindung,noch eine bestimmte, scharfe Tendenz unter den Männern, die I. ChristianBote (aus Meldorp 1744—1806) zu dem berühmten Musenalmanacheversammelte. Als er 1770 mit Götter die Herausgabe desselben begann,arbeitete Wieland selbst mit, und Götter zog später seine Beiträge zurück,weil man Wielanden angriff. Boie war damals selbst noch ohne ent-schiedene Geschmacksrichtung; er ließ sich in seinem Unternehmen vonKästner unterstützen; er suchte Verbindungen mit den wiener, den preußi-schen, den leipziger Dichtern; er geizte nach den Beiträgen von Götzund Ramler, er nahm für Jacobi gegen die Berliner Partei. Als aberdie revolutionäre Jugend um ihn her überhandnahm, und das Talentso wucherte, daß er um Beiträge nicht verlegen zu sein brauchte, befestigtesich seine Richtung mehr und mehr. Er kam zuerst von den Liebesdichternund ihren Tändeleien ab, übcrwarf sich mit Jacobi über seine Empfind-lichkeit, die keine Schnurre und keine Posse, sondern nur Erhabenheitenund Süßigkeiten gestatten wollte. Er kam, als nicht allein Klopstock,als auch Lcssing sich mündlich bei ihm mehr, als er dachte, gegen Wielanderklärte, auch von diesem ab, der nur einen Begriff von Numerus undRhythmus gehabt, dessen Muse nicht eine Tochter der Empfindung undder Harmonie sei, sondern der Phantasie, Philosophie und Laune. Erkam von Ramler ab, von dem er sehr Vieles gelernt zu haben bekannte,von dem er den richtigen Takt überkommen hatte, mit dem er oft den Ge-dichten seiner Freunde— ihre eigenen Verbesserungen vorwegnehmend —aufhalf, der ihm aber nur als ein Nachahmer des Horaz galt, als ihmKlopstock zuletzt unser einziger Dichter schien, als ihn dessen deutscherPatriotismus ergriff und die Vorliebe zum Bardenthum und zu denAlten. Der Almanach nahm mehr und mehr die Farbe der jüngsten Zeitan, als ihn Boie von 1771j—75 allein herausgab; und Er, der be-scheiden seine Stellung kannte, der sich über einige Liedchen und Ueber-setzungen französischer Einfälle nicht hinauswagte, und sich ganz denfeineren und gröberen Geschäften des Redaktors widmete, bekleidete dasAmt eines Verwalters des deutschen Parnasses, das ihm Gleim, zudachte,so gut, daß dieser Almanach eine der wenigen Zeitschriften geworden ist,die eine innere Bedeutung für unsere Literaturgeschichte haben. Manhoffte mit ihm einen guten Ton und Geschmack allgemein und dem