1721
dasselbe ohne grosse Opfer. Ende September wollte Paskewitsch die Operationen fortsetzen,er marsoliirte von Aelialzik über Ardaghan nacli Kars; allein die eingetretene Kälte gebot ihmAA interquartiere zu beziehen. Er Iiess desshalb in den eroberten Plätzen die nüthigen Besatzun-gen und marschirte mit dem übrigen Theile seines Heeres in die Umgegend von Tiflis. 3 Pasclia-liks, 9 Festungen mit 433 Kanonen und 12 Fahnen waren in die Gewalt der Russen gefallen. Hernächste Feldzug sollte noch grössere Resultate liefern; allein Paskewitsch wurde an der früh-zeitigen Eröffnung desselben durch die bekannten Vorfälle in Persien — der russische Gesandtein Persien wurde nämlich ermordet — verhindert, und die Türken ergriffen diesmal die Initia-tive, indem sie im März mit 20,000 Mann gegen Aelialzik vorgingen und die Vorstädte dieserStadt eroberten! Hoch kaum erschien auf Befehl des Grafen Paskewitsch der GeneralM urawj ew mit 7 Bataillonen, 1 Kosaeken-Regiment und 10 Geschützen zum Entsätze von Aelialzik,als die Türken am 16. März sieh, ohne bedeutenden Widerstand zu leisten, zurückzogen. Sobaldals sich Paskewitsch Persiens Friedensliebe versichert hatte, verliess er am 28. Mai Tiflis, umvon Kars aus gegen Erzerum, der Hauptstadt Kleinasiens, vorzudringen. Das hier vereinigterussische Heer betrug 16 — 18,000 Mann mit 72 Geschützen; ihm gegenüber stand IladgiPascha mit 20,000-Mann auf den Höhen von Saganlug, der Seraskier mit 70,000 Mann dahinterin Erzerum. Durch mehrtägige Rceognoscirung hatte Paskewitsch die Unangreifbarkeitdes türkischen Lagers auf den genannten Höhen erkannt und beschloss daher am 29. Junidasselbe zu umgehen. Kaum hatte er dieses am 1. Juli nach einem beschwerlichen Marschebewerkstelligt, als er auf 12,000 Mann stiess, welche der Scraskier zur Unterstützung des IladgiPaschas herbeiführte. Gleichzeitig erschien dieser an der Spitze von 5 — 6000 Reitern in derlinken Flanke der Russen, und PaskcwitscIi konnte den vereinten Angriffen nur durch dieÜberlegenheit an Artillerie widerstehen. Durch ein concentrirtes Geschützfeuer trennte er beideGegner, schlug dann an demselben Tage die Truppen des Seraskiers, wandte sich darauf underoberte am 2. Juli das Lager Hadgi’s. Trefflich verstand Paskewitsch diesen Sieg zubenützen. Ohne Aufenthalt rückte er gegen Erzerum vor, wohin sich die Trümmer der türkischenArmee geflüchtet. Am 5. Juli ergab sieh Hassan Kall, vier Meilen von Erzerum, und am 9.nach einem kurzen Bombardement die Hauptstadt Kleinasiens mit 150 Kanonen und reichenMagazinen. M'it dem Falle von Erzerum war der Feldzug in Asien als beendet zu betrachten;die um die Hauptstadt liegenden Paschaliks wurden durch mobile Colonnen unterworfen, undnur noch auf Trapezunt hatte Paskewitsch sein Augenmerk zu richten, von wo allein nochWiderstand zu erwarten war. Am 8. August schlug er bei Chart auf der Strasse von Erzerumnach Trapezunt ein türkisches Corps unter dem früheren Pascha von Anapa, und am 9. Octoberbei Beibrut den neuernannten Seraslder.
Die Nachricht von dem zu Adrianopel geschlossenen Frieden machte den Feindselig-keiten ein Ende.
Paskewitsch hatte in diesem Feldzüge das Paschalik Erzerum, 2 Festungen, 4 festeSchlösser, 200 Kanonen und 33 Fahnen erobert und 3211 Gefangene gemacht. Der Kaiser erhobihn zum Feldmarschall und beschenkte ihn mit einer der eroberten Fahnen.
Im Jahre 1830 war Paskewitsch mit der Unterwerfung der aufrührerischen Gebirgs-völker am Kaukasus beschäftigt. Das Jahr 1831 aber wies ihm einen höheren Wirkungskreisan, als er nach dem Tode Diebitsch’s am 11. Juni 1831 vom Kaiser zum Nachfolger desselben inPolen ernannt wurde. Am 26. Juni übernahm er zu Pultusk den Oberbefehl über das russischeHeer. Die hier versammelten Streitkräfte betrugen 86 Bataillone, 130 Schwadronen und 300Geschütze, zusammen 60,000 Mann. Ausserdem standen 9000 Mann unter Golowin bei Siedlce