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2 (1857)
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IX.

Sechste Periode. Der dritte Coalitionskrieg gegen Frankreich

(1805).

Die rücksichtslosen Massregeln, welche Eonaparte zur Ausdehnung seiner Macht getroffen,mussten ganz Europa gegen ihn bewaffnen. Nicht allein, dass er schon in den Jahren 1801 und1802 die Verfassungen der italienischen Republiken und der Schweiz auf eine Weise veränderte,dass dieselben ihre politische Selbstständigkeit verloren hatten und ganz von Frankreich abhin-gen, liess er sich im August 1802 zum lebenslänglichen Consul erheben, im Juli 1803 den gröss-ten Theil des Reiches Neapel militärisch besetzen und im Mai 1804 als erblichen Kaiser derFranzosen ausrufen; im März 1805 nahm er die italienische Königswürde an und vereinigte dieligurische Republik, die Herzogthümer Parma und Piacenza mit Frankreich. Seine gewaltige Handfühlte man vom baltischen Meere durch Deutschland, die Schweiz bis an das äusserste Ende Italiens,und er gab unverhohlen die Absicht kund, sich als den Kaiser des Occidentes, als Nachfolger Karlsdes Grossen geltend zu machen. >

Unter diesen Umständen nahm Kaiser Franz am 14. August 1804 den Titel als Erbkaiservon Österreich an, wodurch die seit Ferdinand I. factisch bestehende Monarchie einen gemein-samen Namen erhielt, der gewissermassen den Schlussstein des Staatsgebäudes und der pragmati-schen Sanction bildete.

England hatte schon am 18. Mai 1803 an Frankreich den Krieg erklärt; mit England ver-banden sich Russland und Schweden, und Österreich schloss sich am 9. August 1805 dieser Allianzgegen den Machthaber Frankreichs an. Preussen blieb neutral. Bonaparte wollte eine Landungin England unternehmen und liess zahlreiche Truppen an der den britischen Inseln gegenüberliegen-den Küste bei Boulogne versammeln und die Flotten vorbereiten, welche dieses Heer über den Canalführen sollten.

In dem zwischen Österreich und Russland abgeschlossenen Übereinkommen hatte sichletzteres verpflichtet, 115,000 Mann in diesem Kriege zu verwenden. 25,000 Mann sollten sich aufden Sieben Inseln sammeln und gleichzeitig mit einem in Malta stehenden englischen Corps inNeapel landen, 50,000 Mann durch Galizien und Österreich da Preusen seine strenge Neutralitätbeobachtet wissen wollte und den Durchmarsch der russischen Truppen verwehrte an die obereDonau eilen und am 26. October am Inn eintreffen, 40,000 Mann endlich über Lublin an dieDonau nachfolgen.

Als wesentlicher Grundsatz für den Feldzug wurde angenommen, dass die Operationenzuerst in Italien mit Kraft beginnen sollten, um Frankreichs schwächste Seite, die FrancheComtd, durch die Schweiz angreifen zu können; demzufolge sollte man in Deutschland vor-erst auf die Defensive beschränkt bleiben und so lange dabei beharren, bis man entweder in