Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
1168
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die Franzosen Bar sur Seine zu räumen. Nachdem Troyes von der Hauptarmee genom-men worden war, mussten die Bewegungen bis zum 13. ausgesetzt werden. Das 4. Armeecorpscantonirte bei Nogent und machte am 15. einen fruchtlosen Versuch, daselbst den Übergangüber die Seine zu erzwingen. Napoleons abermaliges Vordringen gegen die Aube veran-lasste die Hauptarmee zu einem zweiten Rückzüge hinter Troyes. Die zweitägige Schlacht vonArcis sur Aube am 20. und 21. März war die Folge dieser Bewegung. Der Kronprinz vonWürttemberg commandirte in derselben das 3., 4. und 6. Armeecorps, hatte aber in Gemüssheitder Anordnung des Fürsten Schwarzenberg am ersten Tage nur wenig Gelegenheit handelndaufzutreten, dagegen am zweiten den Auftrag Arcis zu nehmen, welcher mit grosser Tapferkeitausgeführt wurde. Beim nunmehrigen Vorrücken der Verbündeten gegen Paris befehligte Wil-helm in dem Treffen bei Fere Cliampenoise am 25. März das 4. und 6. Armeecorps, undverwendete in demselben seine Reiterei so zweckmässig und entschlossen, dass ihm der glänzendeErfolg des Tages 45 theils eroberte, theils zurückgelassene Geschütze und 4000 Gefan-gene zum grossen Theile zuzuschreiben war. In der Schlacht bei Montmartre am 30. Märzbildete das 4. Corps den linken Flügel; es drang über Nogent sur Marne in den Park von Vin-cennes, vollbrachte die Einschliessung des dortigen Schlosses, eroberte die Dörfer St. Maur undCharenton und wäre durch die Vorstadt St. Antoine in Paris eingedrungen, wenn nicht einWaffenstillstand die Schlacht beendigt hätte. Seine Majestät der Kaiser Franz hatte dem Kron-prinzen schon früher das Ritterkreuz, und für seine erfolgreiche Theilnahme an der Schlachtbei Brienne mit Handbillet aus Bar sur Aube vom 4. Februar das Commandeurkreuz desMaria Theresien-Ordens, ingleichen als weitere Anerkennung seiner grossen Verdienste nachdem ersten Pariser Frieden die Inhaberstelle des k. k. 6. IIusaren-Regiments zu verleihengeruht.

Im Jahre 1815 commandirte der Kronprinz das 3. Armeeeorps der Oberrhein-Armee, wel-ches sich bei Bruchsal und Rastatt versammelte und aus 4 Reiter- und 10 Infanterie-RegimenternWürttemberger und 10 Bataillonen und 4 Schwadronen der Division Wallmoden bestand. Erüberschritt am 22. und 24. Juni den Rhein und hatte den Auftrag im Vereine mit dem 4. Armee-corps (Bayern) den französischen General Rapp in Strassburg einzuschliessen, oder ihn zu einemGefechte zu zwingen. Im Verfolge dieser Bewegung schlug der Kronprinz eine französischeAbtheilung am 26. Juni bei Surburg und bekämpfte mit dem glücklichsten Erfolge am 28. denGeneral Rapp im Gefechte bei Strassburg, in welchem er persönlich an der Spitze der württem-bergischen Reiterei focht und die Franzosen zum Rückzuge nach Strassburg nöthigte. Vom 29. Junibis 4. Juli blieb das 3. Armeecorps vor dieser Festung stehen und ward am letztem Tage vomzweiten österreichischen Corps (Prinz von Hokenzollern) abgelöst. Beim weiteren Vordringen inFrankreich ward in der Nacht vom 5. auf 6. Juli Pfalzburg beschossen und dann blockirt, woraufdas Corps über Luneville vorrückte, und während der Friedensverhandlungen Cantonirungen beiNevers bezog.

Nach abgeschlossenem Frieden blieben 5000 Württemberger unter General-Lieutenant vonWölwanth in Frankreich, während der Kronprinz zum Congresse nach Wien zurückkehrte Undsich dann zu Petersburg mit der Grossfürstinn Katharina Paulowna am 24. Jänner 1816 ver-mählte. Noch in demselben Jahre (am 10. October) bestieg er den Thron Württembergs.

Von der segensreichen Regierung des Königs wird hier nebenbei jedoch des Umstandeserwähnt, dass er das Heerwesen gleich nach der Thronbesteigung mit den Einnahmen des Staatesin Einklang brachte, und wenn auch dadurch Reductionen nothwendig wurden, so ward doch einStamm gebildet, an welchen die jungen Krieger sich, wenn es gilt, sicher anscliliessen können.