11 53
Oonferenz zu Casalanza am 19. Mai erklärte Bianclii dem neapolitanischen Mini-ster, dass er sich auf keine diplomatischen Verhandlungen cinlassc, dass er den Siegals beendet betrachte und nur der Zeit zum Schlagen einer Brücke über den Vol-turno bedürfe, um die Hauptstadt zu erobern und das bestimmt und allgemeinausgesprochene Verlangen dos neapolitanischen Volkes nach seinem angestammtenIleffcntcnhause zu erfüllen. In der Nacht vom 19. zum 20. liessBianchi den Vol-timio überschreiten, und schloss am 20. mit den neapolitanischen GesandtenCarascosa und Coletta die Militär-Convention zu Casalanza, durch welchedie Rückkehr des alten Regentenhauses als eine sich von selbst verstehende Sacheausgesprochen wurde, rückte am 21. mit den siegreichen Truppen in Capua einund unterdrückte den daselbst ausgebrochenen Aufstand. Er sendete hierauf starkeAbtheilungen nach den neapolitanischen Provinzen und zog am 22 . Mittags mit demPrinzen Leopold und dem englischen Gesandten Lord Burghers an der Spitzeseiner Krieger in die Hauptstadt ein. Ganz Neapel war in Bewegung, die Strassen,Dächer und Fenster waren mit Menschen gefüllt, welche die Truppen mit aller Lei-denschaftlichkeit des südlichen Himmels bewillkommten und ihren Jubel und dasEntzücken auf diese Art an den Tag legten. Hierauf bevollmächtigte Bianclii denFeldmarschall-Lieutenant Grafen Neipperg, mit der Gattinn Murat’s, derSchwester Napolcon’s, zu unterhandeln, in Folge dessen sich dieselbe mit ihrenKindern in den Schutz des Kaisers von Österreich begab, und nach wenigen Tagenauf dem englischen Linienschiffe „Tremedour“ unter Obhut des österreichischenMajors von Sunstcnau die Fahrt nach Triest antrat. König Ferdinand IV. trafam 2. Juni auf der Rhede von Baja ein, begab sich am 7. nach Portici und hieltam 17. seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt seines Königreiches.
Feldmarschall-Lieutenant Bianclii verliess, nachdem er das so schnell undruhmvoll eroberte Reich dem rechtmässigen Beherrscher übergeben hatte, am18. Neapel, um sich zur Armee nach Süd-Frankreich zu begehen. Der grössteThcil des Heeres, das unter seiner einsichtsvollen Führung sich unsterbliche Lor-bern errungen, hatte die gleiche Bestimmung und folgte ihm thoils zu Wasser,tlieils zu Lande nach. Im Königreiche Neapel blieben unter Feldmarschall-Lieute-nant Mohr nur 14,000 Mann zurück. — Se. Majestät Kaiser Franz ernannteseinen ausgezeichneten Feldherrn gleich bei der ersten nach Wien gelangten Kundevon dem Siege von Tolentino zum geheimen Rathe, und verlieh ihm eine Perso-nalzulage jährlicher 10,000 Gulden C.M. und das G r o s s k r e u z des neu gestiftetenOrdens der eisern en Krone; der König Ferdinand IV. beider Sicilien erhobihn zum D u ca di Casalanza mit einer Dotation jährlicher 15,000 Gulden C. M. undüberreichte ihm das Grosskreuz des St. Ferdinand-Verdienst-Ordens. Im August1816 wurde Bianc hi in den erbländischen Freiherrnstand erhoben. Im Jahre 1817sollte er die gegen Bayern bestimmte Armee commandiren, welche auf die Erfül-lung des Vertrages vom 3. November 1815, wegen Abtretung des Salzburgischen,
73