Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
1152
Einzelbild herunterladen
 

1152

festzuhalten hatte. Vergebens machte Bianchi im Kriegsrathe auf dieNachtheiledieser Theilung aufmerksam und fügte sich endlich in dieNothwendigkcit, beruhigt,dass der Fcldmarschall Fürst Schwarzenberg, seine Ansicht tlieilend, ihm dasCommando der Armee gegen Neapel übertrug und Frimont anwies die zwischenBologna und Ravenna aufgestellte Reserve unter Feldmarschall-Lieutenant deBest dem Grafen Neip j>crg sogleich nachrücken zu lassen. Bianchis Vorhutgelangte am 23. April bis Cortona und er selbst mit der Haupttruppe bis Arezzo.Am28. erreichte erFoligno, am30. mit der VorhutT o 1 entino, wohin Tages daraufdie Haupttruppe rückte. Dies war der eigentliche strategischePunctundNeipporginFano 20 Meilen von Bianchi geschieden. Sofort liess er Toi entino in Verthei-digungsstand setzen undfasste den Entschluss solange auszuharren, bisNeippergZeit gewonnen haben werde heranzukommen. Murat entschloss sich beiMacerataanzugreifen, was für Bianchi um so drohender war, als N e i p p e r g mittheilen liess,dass auf seine Mitwirkung bei der bevorstehenden Schlacht nicht zu zählen sei, daihn die Division Car ascosa festhalte. Nichts desto weniger beharrte Bianchi imVertrauen auf den Muth seiner Truppen und auf die Vortheile seiner Stellung aufden einmal gefassten Entschluss die Schlacht anzunehmen; ein Entschluss, derum so grossartiger und kühner erscheint, als er dem Könige Joachim nur 9800Mann Infanterie und 930 Reiter mit 28 Geschützen entgegenstellen konnte, wäh-rend dessen Heer doppelt so stark war. Am frühen Morgen des 2. Mai beganndie Schlacht, am 3. um Mittag war der Sieg glorreich, zumeist durch unsereGeschützwirkung, und namentlich durch die auf der Höhe von Madia aufgepflanzten2 Kanonen und 1 Haubitze entschieden, und Bianchi konnte mit Recht sagen:Wenn bei Fontenoy vier Kanonen der Schlacht eine andere Wendung gaben, sowaren es bei Tolentino blos drei.

Murat erlitt eine vollständige. Niederlage; es folgten zwar noch eine Reiheglänzender Gefechte, allein die Trümmer seines aufgelösten Heeres verliessenihn bald, und als Flüchtling musste er Schutz in der Fremde suchen; er, dernoch kurz zuvor die Hoffnung nährte, ganz Italien unter seinem Scepter zu ver-einigen. Die Folge dieses glänzenden Sieges war die Wiederherstellung desrechtmässigen Thrones von Neapel. Bianchi hatte unter dem 15. Mai vonSulmona aus eine Proclamation erlassen, worin allgemeine Amnestie ohne Aus-nahme und Beschränkung, die Aufrechthaltung des Verkaufes der Staatsgüter, sowie der Rechte des alten und neuen Adels und die Rückkehr der alten Dynastieausgesprochen war.Jede Militärperson, heisst es in derselben,die aus beidenSicilien gebürtig ist, und dem Könige FerdinandIV. denEid der Treue schwört,behält ihren Rang und Gehalt. Diese Versicherungen sollen dazu dienen, dieInteressen Aller zu vereinigen und mit dem rechtmässigen Könige auch den Friedenin das Königreich zurückzuführen; sie müssen von allen Classen der Nation mitder grössten Theilnahme und Erkenntlichkeit aufgenommen werden. In der