Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
1067
Einzelbild herunterladen
 

1067

Feldzuge 1812 erlitten hatten, einer- und durch die im vollen Zuge begriffene Ausbildung derkaiserlichen Armee und deren Stellung in der Flanke der kriegführenden Mächte andererseitsbereits auf eine Höhe gelangt, welche dem Cabinete erlaubte, aus der neutralen Torrito-rial-Stellung in die einer intervonirenden Macht zu Gunsten der Herbeiführungeines allgemeinen, wahren und nicht eines Scheinfriedens überzutreten. Auch sprach sichder kaiserliche Hof in dieser Richtung gleiehmässig gegen die im offenen Kampfe stehendenMächte aus.

In Folge dieser neuen Stellung erhielt der Fürst von Schwarzenberg den Befehl, dasvon ihm commandirte Hülfscorps nach der neutralen österreichischen Grenze zurückzuführen,und zu deren Sicherstellung eine Convention mit der russischen Heeresmacht abzuschliessen(28. Februar). Gleichzeitig wurde das kaiserliche Heer in allen Waffengattungen verstärkt undaus Galizien gegen die nordwestliche Grenze des Reiches vorgeschoben.

Nach der Rückkehr Napoleons in seine Hauptstadt wurde der General Graf Bubna zurWahrung der diplomatischen Stellung Österreichs nach Paris gesendet. .Ihm folgte dahin am28. März der Fürst von Schwarzenberg in seiner Eigenschaft als Botschafter, nachdem erden Oberbefehl über das nach Galizien zurückgekehrte kaiserliche Hülfscorps dem Feldmarschall-Lioutenant Baron Frimont übergeben hatte.

Am 80. März übertrug Napoleon für die Zeit seiner nahe bevorstehenden Abwesenheitaus Frankreich die Regentschaft der ICaiscrinn Marie Louise. Am 15. April reiste er vonSt. Cloud ab, und stellte sich am 26. zu Erfurt an die Spitze seines Heeres. Der FeldmarschallFürst von Schwarzenberg verliess seinerseits Paris und übernahm das Ober-Commando derTruppenkörper, welche sich bereits in Böhmen gesammelt hatten. Der König von Sachsen, wel-cher sich beim Eindringen der russischen und preussischen Streitkräftc in sein Land mit seinerGarde aus Dresden nach Bayern zurückgezogen und den Rest seiner Truppen in der FestungTorgau concentrirt hatte, begab sich nach Prag, in der Absicht, sich an die intervenirende Stel-lung des kaiserlich österreichischen Hofes anzuschliessen. Am 21. März waren bereits Russen undPreussen in die Neustadt, und am 26. in die Altstadt Dresdens eingezogen. Am 24. April befandensich daselbst der Kaiser Alexander und der König Friedrich Wilhelm.

Mit dem Anfänge dos Monats Mai begann Napoleon seine aetiven Operationen mit demTroffen bei Rippach und Kayna. Am 2. fand die Schlacht bei Lützen Statt. Am 8. rückte Napo-leon wieder in Dresden ein, und bedrohte den König von Sachsen mit dem Verluste seines Thro-nes, wenn er nicht mit seiner Garde sogleich wieder nach dem Königreiche zurückkehrto. Noth-gedrungen verliess der König Prag am 10. und kehrte nach Dresden zurück, woselbst Napoleonihm einen feierlichen Empfang vorbereitet hatte.

Der erste den Verbündeten nicht günstige Verlauf des neuen Feldzuges änderte inzwischennichts in dem wohlberechneten Gange der Politik Österreichs. Ifti vollen Bewusstsein seines Rechtsund vertrauend auf die Kraft und Treue seiner Völker, strebte der Kaiser, noch wie vor, nachdem Zwecke, den Weltfrieden herbeizuführen nicht einen Waffenstillstand, wie derenim Verlaufe der letztverflossenen 21 Jahre unter dem Namen von Friedensschlüssen allein zuStande gekommen waren.

Die Stellung, welche der kaiserliche Hof seit dem Ausbruche des Krieges im verflossenenJahre 1812 eingenommen hatte, bedurfte nur mehr der festen, den Umständen angepasstenDurchführung. Aus der latenten Stellung der Neutralität war, wie bereits gesagt, Österreichseit dem Beginne des Jahres 1813 zu der aetiven einer Intervention für Herbeiführung einesallgemeinen Friedens übergegangen.